Wir finanzieren uns ein Festspielhaus, nur wie?

Foto: Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH/Ben Becher

Baden-Baden schließt heute einen Kreditvertrag, um das Festspielhaus in vier Jahren, 2020 zu kaufen (das Gebäude!). Man muss dazu wissen: die Stadt muss kaufen, sie hat sich dazu seit langem verpflichtet. Es gibt da keine andere Wahl. Aber (und das ist der entscheidende Haken!): Das wird die Schulden unserer Stadt in neue Höhen treiben: 12,8 Millionen mehr für den Kredit, der gestern vom Gemeinderat beschlossen wurde. Wenn 2020 das Haus vom jetzigen Eigentümer der Stadt angedient wird, dann gehört das Festspielhaus der Stadt.

Alles? Nein, das ist leider nicht alles, um das Festspielhaus zu kaufen und zu unterhalten. Dazu kommen noch mindestens 20 Millionen für Renovierungen und Erhalt des Gebäudes und seiner technischen Einrichtungen. Damit das Haus weiter leisten kann, wozu es da ist: einmalige musikalische Events: Opern und Konzerte.

Die Frage ist berechtigt: kann Baden-Baden das leisten? 30 Millionen mehr Schulden in bereits vier Jahren? Die Fraktion der Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden ist genauso begeistert vom Festspielhaus (und seinem Programm) wie fast jedermann in Baden-Baden, aber sie hat mit guten Gründen gegen diese Kreditaufnahme jetzt gestimmt. Man kann sich bekanntlich auch besoffen freuen. Die Frage lautet, ob sich unsere kleine und total überschuldete Stadt (ca. 120 Millionen momentan) ein so großes Ding alleine leisten kann. Die anderen Opernhäuser in Baden-Württemberg werden zu einem nicht unerheblichen Teil vom Staat mit finanziert. Anders könnten sich Städte wie Stuttgart oder Karlsruhe ihre Opern gar nicht leisten.

Warum nicht bei uns? Antwort: Weil das damals so zwischen dem Land Baden-Württemberg und Baden-Baden so ausgehandelt wurde.

Gleichwohl: Baden-Baden übernimmt sich. Wir sind eine kleine Stadt. Eine hübsche Kleinstadt, die so tut, als sei sie der goldene Nabel der Welt. Aber unser Nabel ist nur oberflächlich vergoldet. Es ist alles geliehen. Wir finanzieren ja auch noch einen großen Teil die Rennbahn; wir stecken mal eben so 18 Millionen in das Kongresshaus; wir leisten uns ein Theater und eine Philharmonie dazu. Da häufen sich unbezahlte Rechnungen an. Denn vieles von dem kann nur mit neuen Schulden bezahlt werden. Und unsere Schulden steigen von Jahr zu Jahr, ähnlich konsequent wie der Meeresspiegel. Das heißt: irgendwann wird das System überreizt sein. Und dann?

Warum nicht erst mal genauer und verbindlicher prüfen, wo man andere Lösungen für das Festspielhaus finden kann. Vielleicht (auch das wurde im Gemeinderat gestern so ganz locker nebenbei diskutiert) kommen ja irgendwelche Stifter auf den guten Gedanken, auch das Gebäude (und nicht nur den musikalischen Betrieb darin) zu finanzieren. Oder man redet Klartext mit dem Land Baden-Württemberg, nämlich nach der Melodie: wir sind eine überregionale Attraktion mit unserem Festspielhaus, in dessen Glanz sich auch die Landesregierung gelegentlich sonnt. Da kann man doch noch etwas erwarten!