Über journalistische Weltmeister, Bad Schilda-Baden und das ZDF und Einkaufsbummel in Baden-Baden

Ein einsamer Spaziergänger, der durch einen trockenen Kanal geht.
Bild: Copyright Thomas Arnold

Das Badische Tagblatt funktioniert anders. „Wir schwindeln nicht“, behauptet deren Redaktion im Zusammenhang mit ihrer Kritik an den Online-Medien. Es mag durchaus stimmen, dass das BT nicht bewusst Unwahrheiten verbreitet, man zeigt aber auch wenig Neigung, zum Beispiel wissentlich falsche Aussagen von Stadtverantwortlichen nochmals zu hinterfragen und gegebenenfalls gegenüber der Öffentlichkeit richtig zu stellen. Hierzu ein aktuelles Beispiel.

Da die Verwaltung von Baden-Baden mit „nur“ 1.710 Mitarbeitern immer noch chronisch „unterbesetzt“ und arbeitsmäßig völlig „überlastet“ ist, will man den lästigen Telefonverkehr mit dem Bürger auslagern und sich dem Karlsruher Call-Center mit der Nummer 115 anschließen. An dieses Call-Center muss von der Stadt Baden-Baden pro Anruf eine Gebühr von 1,21 Euro pro Minute entrichtet werden, die sich laut Aussage der Verwaltung für das ganze Jahr 2018 auf 25.000,– Euro belaufen soll. So wird es, zwar mit Quellenangabe, aber wie üblich ungeprüft im Badischen Tagblatt wiedergegeben.

Die Wahrheit sieht jedoch anders aus. Im Online-Nachrichtendienst „goodnews4.de“ wird vor dem Hintergrund der städtischen Angaben, wonach durchschnittlich jeder Bürger einmal pro Jahr diese Auskunftsnummer nutzt und jeder Anruf einer Bearbeitungszeit zwischen 3 und 5 Minuten bedarf vorgerechnet, dass sich die Kosten dieser Aktion bei 55.000 Mitbürgern auf ca. 300.000,– Euro pro Jahr belaufen würden.

Auch wenn man die in Zukunft tatsächlich anfallenden Kosten heute noch nicht genau vorhersehen kann, und die errechneten 300.000,– Euro vielleicht etwas hoch gegriffen sein könnten, weil sie sich auf 55.000 Einwohner (inkl. Kinder und Migranten) bezieht, aber vielleicht nur 30.000 Bürger diesen Dienst nutzen, wird man (allein den Angaben der Stadt Baden-Baden folgend) mit absoluter Sicherheit davon ausgehen müssen, dass es sich bei den angegebenen 25.000,– Euro um eine ungeprüfte Falschmeldung handelt, die vom BT entweder in blauäugiger Hofberichterstattung oder in gezielter Absicht an die Bürger von Baden-Baden weitergegeben wird.

Im Zusammenhang mit dieser Aktion drängt sich langsam der Verdacht auf, dass sich Oberbürgermeisterin Mergen in der Baden-Württembergischen CDU und bei ihrem früheren Arbeitgeber profilieren möchte. Als Anhängerin der Technologieregion Karlsruhe, welche Baden-Baden viel Geld kostet aber nichts bringt, werden mit dem Karlsruher Call-Center nun weitere unnötige Kosten erzeugt. Das Ganze ist ein weiterer Akt, die Stadt Baden-Baden zum Wohle der Stadt Karlsruhe zu kannibalisieren. Eine Baden-Badener „Patriotin“ handelt anders.

Ach, du dickes Ei, da hat sich Baden-Baden dank des Fernsehberichts im ZDF über die Steuerverschwendung mit dem Bauprojekt „Leopoldsplatz“ ja mächtig blamiert und seinem Namenszusatz „Bad Schilda-Baden“ alle Ehre gemacht.

Bezeichnend auch, dass die sonst so mediengeile Oberbürgermeisterin nicht vor der Kamera erscheinen wollte und ihren Adlatus Seiter vorgeschickt hat, der sich nicht entblödete, in diesem Zusammenhang auch noch das Wort „Werbewirksamkeit“ in den Mund zu nehmen. Danke, aber auf diese Verblödungswerbung können die Bürger von Baden-Baden gerne verzichten!

Zum einkaufen und bummeln soll man nach Aussage von OB Mergen trotz des G20-Gipfels in die Stadt kommen. Aber wie man in die Stadt gelangen kann, sagt sie natürlich nicht.

Einer Veröffentlichung im BT vom 14.3. war zu entnehmen, dass praktisch alle Parkhäuser und Parkplätze von der Cité bis nach Geroldsau gesperrt sind. Ferner werden fast alle Innenstadt-Straßen mit Halteverboten belegt. Ein Ausweichen in kleine Seitenstraßen ist ebenfalls unmöglich, weil diese bereits von den Anwohnern belegt sind.

Am 15.3. erfolgte dann im BT eine kurze Notiz wonach doch nicht alle Parkhäuser gesperrt seien. Und am 16.3. in der Großanzeige eines Kaufhauses der Hinweis, dass sich die Stadt keineswegs im „Ausnahmezustand“ befinden würde. Fazit: Wer sich wieder einmal richtig ärgern will, der fährt am Freitag oder Samstag mit dem Auto in die Stadt und nimmt am Parkplatz-Roulette teil.

Aber warum sollte man sich das antun? Besser verlegt man seinen Einkaufsbummel am Wochenende in die Cité oder nach Bühl, Rastatt oder Ettlingen, oder besucht den Bauernmarkt in Achern. Verwundert fragt man sich, warum die Einzelhändler in der Stadt diese Umsatzeinbuße so widerspruchslos hinnehmen. Eine Erklärung könnte darin bestehen, dass der örtliche Einzelhandelsverband dem Vernehmen nach mit einer fast 6-stelligen Summe jährlich von der Stadt unterstützt wird. Und bekanntlich beißt man nicht die Hand die einen füttert.

Wie schreibt ein wütender Bürger in einem Leserbrief im BT: „Warum um alles in der Welt lassen wir Bürger, angeblich der demokratische Souverän, uns wie eine willenlose Schafherde dieses astronomische Ausmaß an Inkompetenz der in unserem Auftrag Handelnden bieten?“ Das trifft auf die anreisenden Finanzminister wie auch auf die politisch Verantwortlichen von Baden-Baden gleichermaßen zu! Dem ist auch nichts hinzuzufügen, außer der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, dass man der politischen Inkompetenz bei den nächsten Wahlen zumindest in Baden-Baden ein Ende bereiten kann.

Wie das Geld ……… aus dem Fenster geworfen wird. Unter dieser Überschrift beschäftigt sich der FocusBadenBaden in einem Artikel mit diesem Thema. Besonders hellhörig macht der Hinweis, dass es sich bei den genannten 2,5 Millionen Euro (für das Park- und Verkehrsleitsystem) nicht etwa um ein verbindliches Festpreis-Angebot handelt, sondern nur um eine vage Schätzung. Das lässt sofort alle Alarmglocken schrillen, weiß der Bürger doch aus leidvoller Erfahrung, was Schätzungen der Verwaltung wert sind, nämlich nicht einmal das Papier, auf welchem diese gekritzelt wurden.

Beispiele für totale „Ver-Schätzungen“ der Verwaltung gibt es zuhauf.

*40 % bei den Kosten für das Bauprojekt „Leopoldsplatz“;

* 57 % bei der Oos-Brücke in Lichtental;

* 30 % bei der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs für die Feuerwehr

usw. usw.

Aber weiter zum Verkehrsleitsystem. Dort wird in letzter Verzweiflung immer wieder auf den Landeszuschuss von ca. 800.000,– Euro verwiesen, ohne jedoch zu erwähnen, dass diese Summe wahrscheinlich ausschließlich für die drei angeblich erforderlichen Planungen draufgehen wird, so dass letztlich die gesamte Bausumme bei der Stadt Baden-Baden bzw. den Steuerzahlern hängen bleibt.

Und wenn, wie zu erwarten das Verkehrsleitsystem vielleicht doch nicht kommt, dann ist es nichts mit dem Landeszuschuss, und Baden-Baden bleibt auf den Planungskosten sitzen.

Und so wird immer lustig weiter das Geld der Steuerzahler „verbraten“, solange die Verantwortung der Stadt in den Händen von Traumtänzern und Totengräbern liegt. Die Traumtänzer wollen aus diesem verschlafenen Provinzstädtchen eine Weltbekannte Metropole machen, während die (finanziellen) Totengräber die Stadt in den Ruin treiben.

Hoffen wir inständig, dass wir von beiden bald erlöst werden.