Wie weiter mit dem Neuen Schloss?

DIE BAUGENEHMIGUNG FÜR DEN UMBAU DES NEUEN SCHLOSSES IST ERLOSCHEN

FBB Stadtrat Martin Ernst | Foto: Ben Becher

Das NEUE SCHLOSS in Baden-Baden ist das wohl wichtigste Baudenkmal in Baden-Baden – es ist im Besitz der aus Kuweit stammenden Eigentümerin, Frau Fawzia Al-Hassawi. Sie will aus dem Schloss ein Luxushotel machen. Und damit der Schlossumbau finanziert werden kann, (so war der ursprüngliche Plan), sollen im Schlosspark Luxuswohnungen gebaut und teilweise verkauft werden.

Für das Vorhaben gibt es eine Baugenehmigung. Die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden, die FBB ist gegen diesen Plan seit Jahren Sturm gelaufen.

Nun heißt es plötzlich: die Baugenehmigung sei ausgelaufen, verjährt. Wir sprachen mit Martin Ernst:

Frage: Was nun, Herr Ernst. Sie sind Geschäftsführer der FBB und Stadtrat für die FBB im Gemeinderat.

Martin Ernst: Das ist richtig. In den Gemeinderat bin ich als Vertreter der Freien Bürger für Baden-Baden gewählt. Im Bauausschuss vertrete ich unsere Wählervereinigung. In keinem dieser Gremien wurden wir in den letzten 12 Monaten darüber informiert, dass die Baugenehmigung ausgelaufen ist. Es ist nicht hinnehmbar und auch nicht weiterhin zu akzeptieren, dass wir als gewählte Vertreter der Bürger unserer Stadt aus der Zeitung erfahren müssen, dass die Baugenehmigung für das bedeutendste Gebäude unserer Stadt abgelaufen ist.

Frage: Das würde bedeuten: der politische Kampf um das Neue Schloss geht neu los?

Martin Ernst: Das Neue Schloss thront hoch über unserer Stadt. Weiterhin ist es das einzige namensprägende Bauwerk eines Bundeslandes. Ich möchte nur daran erinnern, dass es sich um das Residenz-Schloss der Markgrafen von Baden handelt und damit ist es der Namenspate für das später entstandene Land Baden-Württemberg. Wenn das Land Baden-Württemberg mit seiner eigenen Geschichte so umgeht, wie es hier gerade passiert, dann spricht das Bände.

Frage: Warum ist die FBB gegen die alte Baugenehmigung – oder postitiv formuliert: für die Erhaltung des Neuen Schlosses und seinem Park?

Martin Ernst: Am Fuß des Florentinerberges unter dem Neuen Schloss entspringen alle heißen Quellen unserer Stadt. Es ist grob fahrlässig in diese Gesteinsformation einzugreifen und darauf einen riesigen Bauklotz zu setzen. Quellschüttungen sind sehr sensibel und können jederzeit einen anderen Verlauf nehmen. Was ist, wenn die Quellen, durch dieses Bauwerk bedingt, versiegen?

Dann hätten wir eine mehr als 2000 Jahre alte Badetradition auf dem Basar einer arabischen Händlerin geopfert. Dies ist weder kaufmännisch sinnvoll, noch entspricht es dem angemessenen und würdevollen Umgang mit unserer Geschichte. Man kann’s auch plakativ asdrücken:

Was ist uns wichtiger – unsere Tradition als Bäderstadt oder Luxus-Wohnungsbau zu Gunsten einer arabischen Händlerin?

Zum Hintergrund des Kampfes um das Neue Schloss brachten wir vor im Juni 2016 folgenden Bericht, den wir hier zur Information anhängen:

WIRD NEUES SCHLOSS WIE ALTES ENDEN?

Die Warterei um das Neue Schloss hat immer noch kein Ende. Die Eigentümerin vertröstet die Stadt ein ums andere Mal und hält keines ihrer Terminversprechen ein. Und wir lassen uns das bieten.

Und unterdessen tut sich rund ums Neue Schloss: – nichts. Der Verfall geht weiter, das Gerüst rostet vor sich hin, auf den Schuttbergen im Schlosshof beginnt tatsächlich Wald zu wachsen. Währendessen war wieder einmal die kuwaitische Eigentümerin im Rathaus und versprach: Es geht weiter: Neue Berater, neue Architekten, neue Fachleute für dies und das. Und was passiert im Neuen Schloss: – Nichts!

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Foto: Ben Becher

Seit 13 Jahren wird die Bevölkerung Badens hingehalten. Seitdem die kuwaitische Familie Al Hassawi das Neue Schloss kaufte, wird unverdrossen ein Plan nach dem anderen entwickelt, um das Neue Schloss doch noch zu einem Luxushotel umzubauen. Kein Konzept hat im Ansatz funktioniert. Es rechnet sich nicht. Die Wahnsinnsidee, im Neuen Schloss ein Super-Luxus-Hotel einzurichten und den Schlosspark mit Luxuswohnungen voll zu betonieren, funktioniert nicht. Auf Banken scheint der Plan so sexy zu wirken wie ein verschleppter Konkurs. Es ist heute genau so wie im vergangenen Jahr: da sollte ebenfalls angeblich mal wieder eine neuer Plan, ein neues Architekturteam, ein neuer Beraterstab alles richten: angeblich innerhalb eines (!) Monats sollte dann ein neuer Plan für den Umbau vorliegen und alles beginnen. Doch das waren (natürlich!) leere Versprechungen.

Nun wieder.

Ein schöner Anblick im Sonnenuntergang. Eigentlich...
Foto: Ben Becher | Ein schöner Anblick im Sonnenuntergang. Eigentlich…

Das Neue Schloss kann nicht mit leeren Versprechungen erhalten werden. Wir wollen unser Geschichtsdenkmal erhalten, und das funktioniert nur, wenn man für das Neue Schloss eine überzeugende Nutzung findet; nicht irgendeine Nutzung, sondern eine dem Ort angemessene öffentliche Funktion. Denn das Neue Schloss ist das wichtigste historische Gebäude unserer Stadt.

Um den ewigen Kreislauf immer neuer Architekten, Berater, Pläne zu durchbrechen, regte die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) im letzten Jahr einen Runden Tisch in Sachen Neues Schloss an: frische Ideen sollten unter allen Parteien und Interessenten diskutiert werden, um die historisch wichtigste Immobilie Baden-Badens zu retten und neu zu beleben. Doch die Mehrheitsparteien im Rathaus fanden das nicht so gut, sie wollten lieber zuwarten; der Erhalt des Neuen Schlosses sei Sache der Eigentümerin. Nur die Fraktion der Grünen sagte ihre Teilnahme am runden Tisch zu, wofür wir herzlich danken. Nun soll (wie schon seit 13 Jahren!) eine neue Warterunde ums Neue Schloss beginnen. Doch bis sich (eventuell!) etwas tut, bevor vielleicht gebaut werden kann, wird noch viel Wasser die Oos hinab fließen.

Und das Neue Schloss verfällt weiter.

Schutt_imHof
Foto: Ben Becher | Der gut bewachsene Schutthügel im Hof

Das wird die FBB nicht widerstandslos hinnehmen. Die FBB wird unter den Bürgern in Baden-Baden einen Ideenwettbewerb anregen und mit ihm demnächst an die Öffentlichkeit gehen. Das Neue Schloss und seine Zukunft ist ein Herzensanliegen für alle Menschen in unserer Stadt. Hinter ihm steht die wichtigste Bauentscheidung in Baden-Baden, die man nicht im Geheimen verhandeln darf. Weder ein Luxushotel noch Luxuswohnungen im Schlossgarten sind eine Lösung! Und es ist eine Unmöglichkeit, dass weiterhin öffentliche Gelder (die Gelder aus dem staatlichen Etat für Denkmalschutz), und zwar Millionen, einer privaten Bauspekulation hinterher geworfen werden.

Die FBB fordert eine angemessene Zukunft für das Schloss. Das kann letztlich nur bedeuten, dass dieses Wahrzeichen von Baden-Baden eine neue öffentliche Funktion bekommt. Wieso ist das Rathaus zu denkfaul, um eine solche Funktion zu finden? Und wieso verhindern die Mehrheitsparteien im Rathaus eine entsprechende Diskussion?