Über Sklaven, Lügen, und ein weiteres Eigentor des Einzelhandels

Ein einsamer Spaziergänger, der durch einen trockenen Kanal geht.
Bild: Copyright Thomas Arnold

Weißer Mann (und weiße Frau) sprechen mit gespaltener Zunge“, an diesen Satz aus den Karl May Romanen der Jugendzeit fühlt man sich erinnert, wenn man Aussagen und Taten der Stadtverantwortlichen vergleicht. Es gibt wohl kaum einen Bereich in Baden-Baden wo große politische Träume nicht an der Wirklichkeit scheitern, bzw. von der Wirklichkeit zurecht gestutzt werden. Die seitenlange Aufzählung von Beispielen würde den Rahmen dieser Kolumne sprengen, aber man kann es auch in kurzen Worten zusammenfassen, weil es immer nach dem gleichen Schema abläuft. Zunächst wird von einer Person oder Partei ein phantastischer Plan aus dem Wolkenkuckucksheim in den Raum gestellt, der natürlich sofort allseits große Zustimmung findet, weil er bei der Bevölkerung gut ankommt. Dann wird mangels eigener Kompetenz extern eine teure Planung in Auftrag gegeben. Diese Planung wird dann in den meisten Fällen mit großer Begeisterung aufgenommen und die Verwirklichung für die nächsten Jahre in Aussicht gestellt. Dann passiert lange nichts und falls sich doch jemand an den damaligen Vorsatz erinnert und nachbohrt erfährt man, dass dieses Vorhaben leider aus finanziellen Gründen nicht umgesetzt werden kann. Dieses System der politischen Selbstbeweihräucherung wird solange funktionieren, bis auch der einfältigste Bürger merkt, dass er von seinen Volksvertretern nur an der Nase herumgeführt wird. Und dann erfolgt bei der nächsten Wahl hoffentlich die Quittung, getreu dem Sprichwort des englischen Dichters John Dryden (1631-1700) „Hütet euch vor der Wut eines Geduldigen!“

Wie die Faust aufs Auge, passt die obige Schilderung auch beim Thema „Einzelhändler in der Innenstadt“. Auch hier wird von den Stadtverantwortlichen den Einzelhändlern blauäugig und salbungsvoll versichert, dass man den innerstädtischen Einzelhandel fördern möchte, weil man hier keine Totenstadt riskieren wolle, wie sie aus anderen Kleinstädten in Deutschland schon bestens bekannt sind. Und wie sieht diese Unterstützung der Innenstadt-Händler aus? Man genehmigt im Außenbereich eine Erweiterung in der Cité mit der Folge, dass dort eine Einkaufs-Enklave mit vielen größeren und kleineren Läden aus allen Branchen entsteht bei deren Besuch man im Gegensatz zur Innenstadt auch noch kostenlos parken kann. Also eine Einkaufs- und Erlebniswelt für die ganze Familie. Aber damit nicht genug, versucht man den kleinen Händlern in der Innenstadt durch jahrelange großflächige Baumaßnahmen endgültig den Todesstoß zu versetzen. Derzeit sind speziell Ladeninhaber am Leopoldsplatz und am Augustaplatz durch die Baumaßnahmen am Leopoldsplatz und die dadurch entstanden Bus-Umleitungen betroffen. Aussagen von Geschäftsinhabern zufolge (siehe Video der letzten FocusBadenBaden.de-Ausgabe) belegen den Kundenschwund mit bis zu 30 % Umsatzrückgang und bereits erforderlichen personellen Konsequenzen.

Wer aber hofft, die Zeit bis Ende 2018 überstehen zu können, sieht sich dann mit den Baumaßnahmen „Südliche Neustadt“ entlang der Lichtentaler Straße inklusive Augusta- und Bertholdsplatz  konfrontiert, die dann zu einer Sperrung des kompletten Verkehrs für den gesamten Bereich führen dürften. Und das übersteht mit Sicherheit keines der dortigen Ladengeschäfte.

Man kann den Händlern in dem bezeichneten Gebiet eigentlich nur raten, sich schnellstmöglich nach einer neuen Bleibe umzusehen, vielleicht sogar im Erweiterungsbau im Cité?

Ein Eigentor hat sich der Einzelhandel geschossen mit seiner Forderung nach einem 4. Verkaufsoffenen Sonntag in Baden-Baden zur Kompensierung des Umsatzausfalls während des G20-Gipfels. Diese Forderung brachte für die Gewerkschaft das Fass zum überlaufen und man wird seitens Verdi nun gerichtlich gegen alle Verkaufsoffenen Sonntage in Baden-Baden vorgehen. Und ganz so unrecht hat die Gewerkschaft nicht, denn was hat ein Orthopäden-Kongress oder eine Medizinische Woche mit Einkaufsmöglichkeiten für die betreffenden Kongress-Teilnehmer zu tun? Diese Leute kommen weder aus der Sahelzone noch aus dem Himalaya, wo Einkaufsmöglichkeit nur sehr eingeschränkt vorhanden sind, sondern meist aus Europäischen Großstädten die mehr an Einkaufsmöglichkeiten zu bieten haben als unsere Provinz-Kleinstadt.

Dieser Schuss ist also wohl eindeutig nach hinten losgegangen, und der Einzelhandel kann nur hoffen, dass die Gerichte nicht zu hart entscheiden und wenigstens der eine oder andere Verkaufsoffene Sonntag für Baden-Baden, dessen Einzelhandel ohnehin schon schwer gebeutelt ist, bestehen bleibt.

Groß ist die Not bei der Stadtverwaltung, nachdem neben dem Regierungspräsidium in Karlsruhe auch die Wettbewerbskommission der EU in Brüssel über das dubiose Bauprojekt Leopoldsplatz informiert wurde. Nun versucht man scheinbar in letzter Verzweiflung den Gesamtumfang der Baumaßnahme zu stückeln um von der leidigen Gesamtsumme die den EU-Schwellenwert beträchlich übersteigt wegzukommen. Das dürfte jedoch nicht so einfach sein, denn auch dieser „Trick“ ist den zuständigen Behörden bestens bekannt. Die Stadtverantwortlichen wären gut beraten sich nicht immer noch weiter in zweifelhafte Machenschaften zu verstricken, die empfindliche Konsequenzen für die Verantwortlichen nach sich ziehen könnten.