PFC-Skandal weitet sich dramatisch aus

immer mehr Ackerflächen betroffen

Bild: pixabay/Ben Becher

Was Fachleute schon lange befürchteten tritt ein: immer mehr Ackerflächen in Mittel- und Nordbaden sind mit PFC vergiftet. Ursprünglich war die Rede von ca. 400 Hektar verseuchtem Boden – inzwischen ist die Rede von mehr als 750 Hektar. Und verseuchter Boden bedeutet: vergiftetes Grundwasser. Inzwischen reicht die Kontaminierung bis nach Mannheim. Die Behörden messen unverdrossen die Bodenvergiftung, das heißt: das Unglück ist relativ genau bekannt. Aber gegen diese Bodenvergiftung kann man offensichtlich mit normalen Mitteln kaum etwas tun, man kann das Unglück mit Bodenproben nur messen. Und was ursprünglich passierte, scheint inzwischen aufgeklärt: ein Komposthersteller vermischte Papierschlämme mit Gartenkompost und brachte es auf die Felder auf, als Dünger. Das liegt nun Jahre zurück, doch das aufgebrachte Gift -PFC- sickert jetzt (und auch noch in unabsehbarer Zukunft!) sukzessive in die darunter liegenden Schichten ein und kommt so in das Grundwasser. Und das Grundwasser fließt im Rheintal so wie der Rhein: rheinabwärts. Und nun ist der Mist bereits in Mannheim angekommen.

PFC ist eine Sammelbezeichnung für rund 1000 verschiedene Substanzen. Einige scheinen harmlos zu sein, andere verursachen in Tierversuchen Krebs oder andere Krankheiten. Abgebaut werden (also verrotten) können sie nicht: es sind ungeheuer stabile Substanzen, sie verfallen nicht von allein. Auf Hochdeutsch: sie sind und bleiben für die nächsten hunderte von Jahren dort, wo sie sind: im feuchten Ackerboden und schwemmen von dort kontinuierlich ins Grundwasser hinein. Dieses Grundwasser ist gleichzeitig die Quelle für das Trinkwasser von Millionen Menschen, die vom Uferfiltrat des Rheins ihr Trinkwasser gewinnen. Wir in Baden-Baden nutzen dieses Grundwasser auch teilweise für unser tägliches Trinkwasser, insbesondere die Einwohner von Sandweier, Oos und der Weststadt sind durch die PFC-Vergiftung ihres täglichen Wassers betroffen.

Die Stadtwerke versuchen, dieses Trinkwasser so weit es geht zu entgiften. Die Stadtwerke tun viel, das ist völlig unbestritten. Doch das Problem liegt darin: niemand weiß, wie giftig dieses PFC eigentlich ist. Welche Dosis führt zu Krebs? Die Behörden haben einfach verordnet, ab welcher Konzentration PFC als Gift zu gelten hat, aber es gibt keinen Wissenschaftler, der für diesen gesetzlichen Grenzwert seine Hand ins Feuer legt. Das ist das unlösbare Problem hinter der PFC-Vergiftung des Bodens. Die Ernten der Bauern im Rheintal werden überwacht: enthalten sie zu viel PFC, ist die Ernte zu vernichten und darf nicht mehr unter die Leute gebracht werden. Auch hier das gleiche Grundproblem wie beim Wasser: ab wann und ab welcher Dosis gilt das Gift als giftig? Niemand weiß es, aber jedermann hält sich an dem staatlichen Grenzwert fest, der einfach irgendwann man festgelegt wurde.

Was tun? Weitermachen mit dem faktischen Menschenversuch? Wir haben prinzipiell genug Wasser für ganz Baden-Baden aus dem oberen Wald und könnten es mit den Menschen in Sandweier, Oos und Weststadt teilen. Wir brauchen auch nicht die Ernten von den vergifteten Äckern im Rheintal, selbst wenn die Spargel noch so lecker scheinen. Vielleicht ist auch diese hier geäußerte Sorge über das Gift im Wasser und im Boden „übertrieben“, nur: niemand weiß (um es nochmals zu sagen) ab welcher Dosierung die rund 1000 verschiedenen Substanzen anfangen, giftig zu wirken. Die Forschungen, so hören wir, laufen unter Hochdruck. Also bis zur vollständigen Klärung bitte kein Wasser aus vergifteten Quellen und kein Spargel oder sonstiges Obst und keine Feldfrüchte von vergifteten Feldern.

Ganz klar: die Landwirte sind in eine Falle geraten, die sie seinerzeit, als das Zeugs auf ihre Felder aufgebracht wurde, wohl nicht abschätzen konnten. Ihnen muss das Land helfen. Mit Geld. Und mit einer Perspektive. Diskutiert wird seit langem, ob man nicht die Felder mit Solarenergieanlagen bedecken sollte: Strom als Ernte. Ob das reicht als Entschädigung, kann hier nicht bewertet werden, aber es wäre ein Hoffnungsschimmer für unsere Landwirte.