Von Römern, Wald, Schweinen und Touristen

eine völlig einseitige Stadtgeschichte zur Fastnacht

Bild: pixabay/Ben Becher

Wie kommt es zu einem Austausch zwischen Touristen und Schweinen? Das war vor langer Zeit nur in Baden-Baden möglich und geschah im finstersten Mittelalter, als die römische Bäderstadt sich neuen Erwerbsquellen zuwenden musste, denn die Römer waren weg. Ursprünglich hatte man dreiste römische Soldaten in den heißen Quellen eingeweicht und so sukzessive entmilitarisiert. Weichgekochte Römer wurden zu friedlichen Römern.

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Aber dann zogen die Römer ab, und damit lagen die heißen Quellen im Mittelalter brach, sie waren nur noch bitter schmeckendes heißes Wasser, total nutzlos. Das brachte das Baden-Badener Bürgertum auf die Geschäftidee, Schweine zu mästen. Es gab ja neben den heißen Quellen auch noch die vielen Kastanienbäume rund um die Stadt, was von denen runter fiel, die Kastanien, fraßen nun die Schweine und wurden so dick, fett und schlachtreif. Wenn man die Sauen am Ende schlachtete, erwiesen sich die heißen Quellen als hilfreich, um die Schweine zu brühen und zu entborsten. Gelegentliche Besucher von Baden-Baden fanden den Duft dieser permanenten Metzgerei in den Gassen unserer Kleinstadt als typisch badisch und besuchten die Stadt der heißen Quellen möglichst nie wieder.

Im 19. Jahrhundert kam es zu einem erneuten dramatischen Wechsel, der speziell die heißen Bäder betraf: das Schweinemästen und Saubrühen lohnte nicht mehr, stattdessen hatten findige Gastwirte die bessere  Geschäftsidee, statt der Schweine wieder Touristen in den heißen Wassern einzuweichen. Letztendlich roch das auch besser. Und es war ja auch mit den wilden römischen Soldaten gut gegangen, die man einst in den Badquellen zivilisiert hatte, warum sollte man es nicht mit betuchten Gästen versuchen: man stecke sie in heiße Quellen und Bäder, erkläre ihnen, dass dieses Quellenbaden total gesund mache (egal von welcher Krankheit auch immer) und fordere einfach viel Geld dafür. Was viel kostet wirkt bekanntlich auch viel. Gesagt – getan: es kamen viele Touristen, darunter Kaiser, Könige und anderes reiches Volk.

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Somit waren die Schweine über Nacht nicht nur überflüssig sondern auch lästig geworden. Man wollte sie loswerden. Das kränkte die Schweine und sie emigrierten in den Baden-Badener Wald. Dort ging es ihnen ziemlich gut, ihr Tisch war gedeckt, sie liebten sich und vermehrten sich rasant.

Aber nun droht bekanntlich die afrikanische Schweinepest, auch im Baden-Badener Wald. Also müssen die Sauen wieder raus aus dem Forst, und von heimischen Jägern fachmännisch erlegt werden. Das nennt man Drückjagd. Aber womit bringt man die Sauen auf Trab und raus aus dem Dickicht? Mit hergebrachtem Radau, Geschrei und Stockschlagen? Viele Versuche einer wie immer immens fleißigen Baden-Badener Stadtverwaltung haben nun ergeben, dass lautes und permanentes Abspielen von Schöne Maid unseres neuen Ehrenbürgers Schweine am zuverlässigsten in die Flucht treibt.

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Die Stadtverwaltung (die sich seit kurzem in Narrenhand befindet) verhandelt noch über die Lizenzgebühren, die an den neuen Ehrenbürger zu zahlen wären. Da hören wir aus dem Rathaus, man sei aber nicht – so Blöd(t) – die volle Summe der hierfür fälligen Tantiemen bedingungslos zu akzeptieren. Vielmehr müssen diese mit den Mühen der städtischen Beihilfe zur Ernennung zum Ehrenbürger gegen gerechnet werden. Man sei hoffnungsvoll, dass die Tantiemen nicht zu hoch ausfallen, heißt es aus dem Rathaus. Man sei dem Ehrenbürger ja höchst weit entgegen gekommen in Punkto Ehrenbürgerschaft. Jedenfalls ist schon jetzt klar: der Wald wird mit Hilfe des Gesangs des neuen Ehrenbürgers entschweint. Dann werden die Sauen geschossen, gekocht und mit Hilfe des „Topfguckers“ (den CDU-Schöpflin jüngst gefordert hatte) fachmännisch berochen und zu Wildgoulasch verarbeitet und dann an die Touristen verfüttert. Wie man sieht:

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alles, schlechthin alles hat seinen guten Sinn, von den badenden Römern zur Schweinezucht in der Altstadt bis zum Gästebaden in Baden-Baden bis hin zu den Wildschweinen im Wald und ihrer Flucht vor der Schönen Maid, wenn man nur genau genug hinschaut und präzise tut, was die CDU will. Jedenfalls kommt man zu einem völlig logischen und engen Zusammenhang zwischen Ehrenbürgerschaft, Wildschweinen und Touristen. Jedenfalls in närrischer Zeit in Baden-Baden.