Bebauungsplan für die Aumattstraße?

Und: was halten die Anwohner von dieser Planung, die ihre heimatliche Wohnumgebung total verändern würde. Die Anwohner sammeln sich zum Protest.

Bild: pixabay/Ben Becher

Es gab in der Woche vor Ostern eine Anhörung zum Bebauungsplan, den die Stadt Baden-Baden für die Aumattstraße mit einem Wettbewerb begann. Der Bebauungsplan ist noch im Werden, also noch keineswegs beschlossen. Doch die Anwohner sind extrem beunruhigt. Deshalb bat Bürgermeister Alexander Uhlig die Menschen von Oosscheuern zu einer Anhörung, bei der jeder seine Bedenken zu Protokoll geben konnte. Man muss nach der Anhörung der Anwohner Bürgermeister Alexander Uhlig wohl zustimmen: alles, was da längs der Aumattstraße geplant ist, erscheint absolut vernünftig: es soll (weil die Stadt entsprechende Bauflächen braucht) ein neues Dienstleistungszentrum entstehen, es könnte 5-stöckig hoch werden (allerdings keineswegs 7 Stockwerke hoch, wie manche befürchteten). Neue Gebäude für rund 400 Arbeitsplätze. Und weil auch die richtigen Leute planen, dürfte die Architektur vermutlich wohl beeindruckend werden. Aber die Sache hat einen ganz entscheidenden Haken: In der Aumattstraße und ihrer Umgebung leben bereits seit Jahrzehnten Menschen, und die lehnen das alles rigoros ab, egal wie vernünftig der Herr Uhlig auch argumentiert.

Die Anwohner sind angefressen und wütend. Sie haben in der Vergangenheit, so sagen sie, bereits ziemlich üble Erfahrungen mit ihrer heimischen Bauverwaltung gemacht. Diese lassen sich in dem Satz zusammenfassen: die Verwaltung hat sie schon oft über den Tisch gezogen, sagen sie. Man traut der Bauverwaltung auch nicht den allerkleinsten Schritt über den Weg, da mag der nette Baubürgermeister noch so viel reden und betonen, wie gesetzestreu alles gehandhabt wird. Mal abgesehen davon, dass die empörten Menschen bei der Anhörung diese ganzen Fachausdrücke aus dem Planungsrecht sowieso nicht verstehen, die da auf sie niederprasseln. Und die wenigen Fachleute im Publikum (offensichtlich Architekten) glauben dem Herrn Bürgermeister ebenfalls nicht.

Aber wir brauchen doch Bauland für Gewerbe, betont der Bürgermeister mehrfach. Wieso denn hier, ausgerechnet in der Aumattstraße, fragen dagegen die Anwohner. Weil es hier entstehen kann, gibt man den murrenden Anwohnern zu verstehen. Nein, schreien die auf: die jetzige Bebauung der Aumattstraße gibt es nicht her, die Verkehrssituation erst recht nicht. Schon jetzt brauchen die Bewohner von Oosscheuern über 20 Minuten, bis sie ihr Viertel verlassen können – die Ampel beim Gerstenmeiergelände ist schuld. Das könnte man verbessern, betont der Bürgermeister. Okay sagen die Anwohner, warum macht man das nicht sofort, jetzt? Keine Antwort darauf von der Bauverwaltung. So geht es bei fast jedem Thema. Die Leute, die zur Anhörung kamen, sind der Ansicht, dass die Probleme nur schön geredet werden sollen. Ihre Sorgen werden dagegen nicht ernst genommen. Denn man hat sie nie ernst genommen, also protestieren sie.

Sie protestieren, weil ihre Heimat umgebaut werden soll, im Interesse von Leuten, die viel Geld investieren können. Nicht in ihrem Interesse. Sie bekommen hohe Häuser vor die Nase gesetzt, die ihnen die Sicht nehmen. Und alles wird anders in dem Viertel. Bisher nur Wildwuchs, sagt der Baubürgermeister, in Zukunft wird nach Plan gebaut. Doch den bislang sichtbaren Plan lehnen die Anwohner rundweg ab. Sie werden weiter protestieren. Dieser Eindruck bleibt nach der Anhörung. Was mit dem Bebauungsplan wird, ist auch für die anwesenden Stadtpolitiker völlig offen. Bei den beiden Stadträten der Freien Bürger für Baden-Baden (FBB) verfestigt sich der Eindruck, dass die Pläne für die Aumattstraße gewaltig überarbeitet werden müssen. So wie bisher jedenfalls, gegen die vielen betroffenen Anwohner der Aumattstraße, geht es nicht. Es ist schließlich ihr Quartier, nicht die Heimat der Bauverwaltung.