20 Jahre Festspielhaus Baden-Baden

Aber wer machte das Festspielhaus zu einem Erfolg? Überforderte Verwaltungsbeamte hatten es schon nach 6 Wochen gegen die Wand gefahren. Erst Andreas Mölich-Zebhauser hatte die richtigen Ideen und die Leidenschaft für einen nachhaltigen Erfolg.

Bild: Ben Becher

Einen „maroden Musentempel“ nannte man vor 20 Jahren das Festspielhaus in der deutschlandweiten Presse. Denn bereits nach 6 Wochen hatte das „Trio Infernale“, darunter ein vorbestrafter Eventmanager und ein Ex-Baubürgermeister aus Baden-Baden das Festspielhaus gegen die Wand gefahren. Das vorzeitige Ende des größten Opernhauses Deutschlands schien besiegelt, denn die Unfähigkeit der drei Chefs war geradezu beispielhaft. Überteuerte Eintrittspreise und ein völlig überzogenes (unbezahlbares) Programm sowie eine gähnende Leere im Zuschauerraum: das Baden-Badener Festspielhaus war zum Witz verkommen, das Haus stand unmittelbar vor der Pleite. Bei einem Auftritt des englischen Stardirigenten John Eliott Gardiner etwa verloren sich nur ein paar Hundert Besucher in dem riesigen Auditorium. Und der schwor daraufhin, niemals wieder nach Baden-Baden zu kommen. Ruf und Geld schienen dahin. Die Stadt Baden-Baden hatte nachgewiesen, dass auch ein erfahrener Baubeamter der Stadtverwaltung den Anforderungen für das Management eines derartigen Festspielhauses nicht gewachsen war. Ein Verwaltungsbeamter und gelernter Diplom-Ingenieur konnte es eben nicht. Die Presse in Deutschland sprach vom Festspielhaus als von einem Denkmal provinziellen Größenwahns. Und der damalige Oberbürgermeister Wendt stand blamiert vor seiner Stadt.

„Wenn Andreas Mölich-Zebhauser nicht gekommen wäre, hätten wir hier Champignons züchten können“, befanden Kritiker, denn der riesige Zuschauerraum hat eine exquisite Beregnungsanlage. Die Berufung des Kulturmanagers Mölich-Zebhauser erwies sich als Glücksgriff. In knapp vier Jahren gelang es ihm, den Palast aus den roten Zahlen zu holen. Zuvor musste allerdings die öffentliche Hand eine Anschubfinanzierung in Höhe von rund sechs Millionen Euro bereitstellen. „Der stand da mit leeren Taschen“, sagte der damalige Stiftungsvorstand des Festspielhauses und Stahlunternehmer Horst Weizmann. Kein Geld, Programm nur für ein paar Wochen, aberwitzig überhöhte Ticketpreise und ein schlechtes Image. Das erste, was Mölich-Zebhauser dann machte, war, dass er die Karten an Musikliebhaber eine Woche lang verschenkte. Superkultur für Umsonst. Das Festspielhaus sollte nicht mehr der Witz der ganzen Republik sein, und die besseren Kreise der Stadt sollten wenigstens das Programm als Chance schätzen lernen. Es funktionierte. Doch jeden Tag drohte weiterhin der Gang zum Konkursrichter. „Wir konnten keine Gehälter und Gagen mehr zahlen, ständig drohte ein Verfahren wegen Insolvenzverschleppung“, sagte Mölich-Zebhauser Jahre später im Rückblick. Aber er schaffte die Wende, und 2002 war es dann zur Gewissheit geworden: der komplette Betrieb des Festspielhauses arbeitete reibungslos ohne öffentliche Zuschüsse – das Gebäude wurde jedoch von der öffentlichen Hand weiter finanziert.

Wie hat Andreas Mölich-Zebhauser das geschafft? Erstens: er war ein bewiesener Kulturmanager und hinzu ein großer Opernfreund. Wer ihn einmal persönlich erlebt hat, weiß: Mölich-Zebhauser ist Musik pur, er lebt geradezu Musik. Um seine Arbeitsweise kennen zu lernen, lohnt ein Blick in die frühe Zeit, als er in Baden-Baden anfing, und alles drunter und drüber ging, und das Festspielhaus eigentlich schon gescheitert schien. In dieser besonders prekären Situation ganz am Anfang kam ihm sein Freund, der russische Stardirigent Valery Gergiev, zu Hilfe. Der sollte mit der ganzen Compagnie des St. Petersburger Mariinskij-Theaters zu einem Gastspiel nach Baden-Baden anrücken, „Ich habe ihm gesagt, lass Deine Lkws in Russland, ich habe kein Geld.“ Doch Gergiev verschaffte Mölich-Zebhauser ein Entree bei dem US-Großmäzen Alberto Vilar, der sich bereit erklärte, das Gastspiel der Petersburger Musiktruppe zu finanzieren. Was Mölich-Zebhauser also mitbrachte waren beste Kontakte in eine in sich verwobene Musikszene. Vilar, der große amerikanische Spender der Anfangszeit kam durch die Mölich-Zebhausers Russland-Verbindungen und blieb dann länger. So läuft das bis heute, und so wurde schon nach nur vier Jahren aus dem „maroden Musentempel“ das blühende Festspielhaus von heute, mit dem sich die Stadt Baden-Baden schmücken darf, obwohl all dieses ganz allein das Verdienst von Mölich-Zebhauser ist.

Bild: Ben Becher