Festspielhaus – die nächsten 20 Jahre

Das Programm ist Weltklasse, aber das Fundament ist fraglich

Bild: pixabay/Ben Becher

Dank einiger beherzter Politiker, einem ideereichen Intendanten Andreas Mölich-Zebhauser und einer klugen Oberbürgermeisterin Sigrun Lang konnte das Festspielhaus trotz seines verkorksten Starts doch noch ein Riesenerfolg werden. Aber wie wird es in den nächsten 20 Jahren weitergehen? Die Zukunft wirft viele Fragen auf. Die ursprüngliche Idee für ein Festspielhaus stammte von Ermano Sens-Grosholz, einem begeisterten Sänger und Opern-Freund. Und wie das mit guten Ideen so passiert: der damalige CDU-Oberbürgermeister der Stadt Baden-Baden, Ulrich Wendt, klaute ihm unverfroren diese Idee und übernahm sie selbst, wofür er später auch noch ungerechterweise das Bundesverdienstkreuz erhielt. Zunächst verbündete Wendt sich mit der Stuttgarter CDU sowie mit dem Ex-Ministerpräsidenten Lothar Späth und fand so eine Finanzierung für das Baden-Badener Abenteuer Festspielhaus. Aber als dieses 1998 nach nur kurzer Anlaufzeit prompt vor dem Konkurs stand, weil der Träger selbst in Insolvenz ging, und die überforderten drei Chefs kein bezahlbares Programm zu Stande brachten, schien der Höhenflug des Festspielhauses schon nach sechs Wochen beendet zu sein. Die Rettung war komplex. Und es kamen dazu einige glückliche Umstände zusammen: man fand einen neuen Intendanten (Andreas Mölich-Zebhauser), der das „Trio Infernale“ des missglückten Starts ablöste. Und der hatte die Idee, einfach 5 Tage lang das Mariinsky-Orchester aus St. Petersburg bei freiem Eintritt spielen zu lassen, als Liebesangebot an die Stadt. Seitdem ist die Bevölkerung Baden-Badens ihrem Festspielhaus verfallen. Der musikalische Chef und Dirigent des Petersburger Opernhauses Valery Gergeiev machte großherzig bei diesem Manöver mit und blieb dem Festspielhaus bis heute treu. Das Festspielhaus schien gerettet, auch wenn es weitere drei Jahre lang allerhand Turbulenzen zu überstehen hatte. Mölich-Zebhauser sanierte in der Folgezeit den Spielbetrieb, für den der Intendant einen illustren Förderkreis fand, der bis heute (zusammen mit dem Freundeskreis) das Programm unterstützt. Dieser privat garantierte Spielbetrieb ist bis heute einmalig in ganz Europa und wird mit Recht gefeiert.

Was aber Sorgen macht, das ist das inzwischen in die Jahre gekommene Haus selbst, also das Gebäude mit seiner 20 Jahre alten technischen Ausstattung. Es wird demnächst vollständig von der Stadt Baden-Baden übernommen, so ist es vertraglich ausgemacht. Aber die Frage ist, ob das Konstrukt aus privat finanziertem Spielbetrieb und städtischem Hauseigentum funktionieren kann. Anders formuliert: es könnte sein, dass die Stadt sich übernimmt, das befürchten nicht nur die die freien Bürger für Baden-Baden (FBB). Damals, vor 20 Jahren, war die neue Oberbürgermeisterin Sigrun Lang mit guten Gründen zunächst ebenfalls gegen eine städtische Übernahme, finanziell zu gefährlich. Denn die Stadt war dabei, sich am Projekt Festspielhaus finanziell zu überheben. Und Wendt war unter anderem wegen seines schillernden Engagements für dieses Haus von den Bürgern der Stadt abgewählt worden. Nun aber laufen die Verträge, die das Haus bisher über eine Investorenplattform finanzierten, aus. Das heißt: Baden-Baden muss die Immobilie endgültig ankaufen und sie renovieren, so steht es in den Verträgen: der Spielort (das Festspielhaus) muss stets „spielbereit“ gehalten werden. Bei einem geschätzten Investitionsstau von ungefähr 40 Millionen und zusätzlichen jährlichen Unterhaltskosten von mehreren Millionen kommt auf das hochverschuldete Baden-Baden (bisher über 150 Millionen Schuldenstand!) einiges an Unwägbarkeiten zu.

Sigrun Langs Argumente gegen eine städtische Übernahme (sie hat ja später mit guten Gründen ihre ehemaligen rein finanziellen Bedenken beiseite geschoben) tragen bis heute: die Stadt übernimmt sich, wenn sie eine alleinige Trägerschaft für die Spielstätte übernimmt. Andererseits muss die Stadt diese Trägerschaft übernehmen, weil sie das Haus endgültig kaufen muss, so steht es in den Verträgen. Eine Lösung könnte darin bestehen, dass die Stadt einen Partner für das Festspielhaus sucht. Dieser Mit-Träger kann und sollte nach Lage der Dinge das Land Baden-Württemberg sein.

* Das Land unterstützt alle anderen Opernhäuser im Land jährlich mit über 100 Millionen.

* Das Festspielhaus hat eine weit über Baden-Baden hinaus gehende kulturelle Bedeutung und ist heute eine Europäische Institution.

* Es ist das größte Opernhaus Deutschlands und genießt weltweit einen exzellenten Ruf.

Also sollte die Rathausspitze jetzt eindringlich mit dem Land verhandeln und zwar so, dass diese Argumente auch dort richtig verstanden werden. Baden-Baden will ja nichts erbetteln und will ja tatsächlich auch finanziell für sein Festspielhaus einstehen. Aber es könnte sein, nein es ist sehr wahrscheinlich, dass diese Trägerschaft die Stadt überfordern wird. In dem Fall müsste das Land (etwa im Rahmen der sonstigen Subventionen wie für die anderen Opernhäuser z. B. Stuttgart oder Karlsruhe) mit eintreten. Die Freien Bürger für Baden-Baden (FBB) stehen für ein kulturbetontes Baden-Baden, sie kämpfen für unser Festspielhaus. Aber das heißt auch, dass die Finanzierung des Festspielhauses nicht rein städtisch geregelt werden kann – Baden-Baden würde sich überheben. Hier müssen frühzeitig mit dem Land Lösungen verhandelt werden.