Gully-Slalom antrainiert

von Uschi Beer

Bild: Ben Becher

Kennen Sie auch schon die neue Sportart für Autofahrer? Gullys-Umfahren-Slalom heißt die Herausforderung, die Straßen unserer Stadt neu entdeckend. Radfahrer machen es auch schon. Fährt einer vor Ihnen, müssen Sie schwer aufpassen. Ist ein hoher Gullydeckel-Hügel auf der Fahrbahn, dann schwups, reißt der Radler nach links. Nach rechts ist meist kein Platz, weil Bordstein im Weg ist. Autofahren ist wie früher mit Skiern die Buckelpisten meistern. Mal ehrlich, das Straßennetz gleicht fast überall einem Flickerl-Teppich aus frischen Asphaltstücken die auf die Fahrbahn geklatscht wurden. Nur die Gullys, die waren schon immer da und recken sich lästernd empor. Ein Trauerspiel für den, wer genau hinschaut. Gott muss die Stadt arm sein, denkt der Autofahrer mit Touristenkennzeichen, und bestaunt den schlechten Zustand unseres Straßennetzes! Jawohl, er hat Recht! Verdammt arm, die Stadtkasse im Minus von lockeren 150 Mio. plus. Das glaubt einem eh keiner, in Baden-Baden mit dem schönen Anschein von Luxus, brodelt der Mist der Verantwortlichen und der Lokalpolitik im Untergrund. Millionen verpeilt im Vergabespiel des Baugewerbes. Wie viele Straßen hätte man neu herrichten können für die Leopleite? Wie viel bessere Luft hätten wir ohne die schweren Dieselstinkerbusse? Die Verwaltung scheint sie zu lieben, es sind gerade frisch wieder einige bestellt worden. Ich glaube, die schweren Ungetüme formen auf heißem Asphalt die Buckelpiste weiter aus.

Und die Verkehrs- und Autoplanung? Weitsicht wo bist Du geblieben! In Bebauungsplänen gibt es Genehmigung für 1,5 Stellplätze in Garagen. Aber fast jeder Haushalt hat doch meist mindestens 2 Autos. So stehen ab Auto 2 alle auf der Straße und blockieren den Verkehr. Auto-Umfahren-Slalom ist die weitere neue Sportart. Und da Viele sparen wollen, werden viele PKWs in ruhigen Wohnvierteln geparkt, weil: da kostet es ja nix die Karre abzustellen. Auch der Handwerker eines Küchenstudios und Bedienstete eines Seniorenheims parken dann mal meine Straße zu. Über Nacht und am Wochenende den Küchenstudiowagen bestaunend weiß ich, dass dieser Laden meine neue Küche nicht einbauen wird. Eine externe PKW Fahrerin stellte ihr Auto in meiner Straße ab und fragte nach einer behördlichen Stelle in der Maria Viktoria Straße. Man hätte Ihr empfohlen hier zu parken, da koste es nichts. Ich gab brav Auskunft wo sie hinlaufen müsse, ärgerte mich aber gewaltig. Eine Zufahrt nur für Anwohner hätte ich gerne. Die Auskunft ist: so einfach bekäme man diese nicht. Ich werde es versuchen. Auch hoffe ich auf endlich zukunftsträchtige Verkehrsplanung und die Auflage und die Genehmigung für viele Tiefgaragen. In der tiefen Erde, ja, da wäre doch noch viel Platz für Autos. Oder wir machen mal den Ein-Jahrestest. Ein Jahr freies Parken in allen Tiefgaragen. Autos auf Straßen, wo sie nicht hingehören, bekommen saftige Strafzettel oder werden abgeschleppt. Mist, ich vergaß: Streifepolizisten haben wir ja auch nicht genügend, kaputtgespart an falscher Stelle. Der normale Bürger wundert und ärgert sich über Lokalpolitik oder nervt die Verantwortlichen. Die sitzen auch ganz schön in der Sackgasse der Tausenden von Vorschriften und Gesetzen. Meine Güte ist das alles kompliziert in Deutschland.

Bild: Ben Becher