Baden-Baden mit the good-good life am Ende?

Und was wird aus unserer Tourismuswerbung, wenn Baden-Württemberg mit seiner staatlichen Marketingorganisation die Regie über die landesweite Tourismuswerbung übernimmt?

Bild: Ben Becher

Stolz ließ unsere Oberbürgermeisterin Mitte März verkünden: die Einigung über die Verlängerung der BKV-Verträge sei unter Dach und Fach, … allerdings nur für 5 Jahre. Und eine rätselhafte Formulierung ließ aufhorchen: erst wenn dann nach einigen Jahren ein „nachhaltiges Tourismuskonzept“ von Baden-Baden vorgelegt würde, würden die BKV-Verträge um weitere 5 Jahre verlängert. In Baden-Baden begann ein kollektives Rätselraten, was wohl ein „nachhaltiges“ Tourismuskonzept sein könnte. Der Begriff „Nachhaltigkeit“ kommt ja aus der Forstwirtschaft und meint dort, dass nicht mehr Holz geerntet wird als im Wald auch nachwächst. Wie man das auf den Tourismus übertragen kann, auch sinngemäß, bleibt fraglich. Das Rätsel wurde auch nicht aufgelöst, als jetzt der von der Oberbürgermeisterin ausgehandelte Vertragstext einsehbar wurde, dort heißt es nur lapidar, „die Vereinbarung (über die Subventionierung der Bäder- und Kurverwaltung) wird um weitere fünf Jahre verlängert, wenn die Stadt bis spätestens 31. 12. 2023 eine tragfähige und nachhaltige Tourismuskonzeption vorlegt, welches mit den für den Tourismus in der Stadt und der Region verantwortlichen und relevanten Personen und Einrichtungen abgestimmt ist. (…) Das Tourismuskonzept ist tragfähig und nachhaltig, wenn es mit der Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg abgestimmt ist.“ Das hat die rätselhafte Formulierung, welche unsere Oberbürgermeisterin so akzeptiert hat, keineswegs klarer gemacht. Die relevanten Personen und Organisationen sind ja im Text des Vertrages nicht mal genannt.

Nun hat sich der zuständige Stuttgarter Innenminister Guido Wolf (CDU) zu Wort gemeldet, und damit wird einiges deutlicher. Das Land Baden-Württemberg, sagt Wolf, will und wird seine Tourismuswerbung auf völlig neue Beine stellen und offensichtlich von seinem alten Spruch („wir können alles außer Hochdeutsch“) endgültig loskommen. Bis Herbst 2019 solle eine neue Strategie für den Tourismus und die Fortentwicklung des Heilbäder- und Kurortwesens im Land vorliegen. Dazu will der Minister alle Verantwortlichen an einen Tisch holen, wobei es neben anderen Zielen eben auch um das wachsende Interesse der Gäste an „nachhaltigem Tourismus und Urlaubsangeboten“ ginge. Gutachten über die Chancen von Heilbädern und Kurorten seien in Auftrag gegeben worden. Mit einfacheren Worten: auch hier wird der ominöse Begriff eines „nachhaltigen“ Tourismuskonzeptes nicht erklärt, aber es wird doch einiges deutlicher, was auf Baden-Baden zukommen könnte, wenn es seine Landesförderung für die BKV-Verträge weitere 5 Jahre erhalten möchte. Jedenfalls eines scheint klar: mit seinem marktschreierischen Motto „the good-good life“ spricht Baden-Baden möglicherweise einen lauten Protz-Tourismus an, doch als „nachhaltiges“ Tourismuskonzept dürfte das bei der Grün-schwarzen Landesregierung kaum durchgehen, man stelle sich zum Beispiel vor, wie das auf unseren Landesvater wirkt.

Was will das Land weiterhin? Zusammengefasst: Die Tourismusförderung wird verstaatlicht, das meint in letzter Konsequenz diese Formulierung. Und zwar unter „grünem“ Vorzeichen. Alles läuft auf die landesweite staatliche Tourismusförderung in Stuttgart zu, der sich vermutlich die anderen Tourismusorganisationen aller Heil- und Kurorte unterordnen müssen, wollen sie vom Land gefördert werden. Das Land bestimmt, wer und wie gefördert wird, die stadteigene Werbestelle muss sich deshalb unterordnen oder eventuell sogar ganz schließen. In Stuttgart werden gewachsene Strukturen wie z. B. in Baden-Baden als hinderlich empfunden, erläutert der Regierungssprecher Rudi Hoogvliet (er leitet auch die Tourismusförderung Baden-Württemberg). Er verdeutlicht, dass sich andere Bereiche wie das „Standortmarketing“ (also unsere stadteignene Marketingabteilung) „unter ein gemeinsames Dach wandern können“. Das würde faktisch das Ende unserer eigenen städtischen Werbebemühungen sein. Ist das im Interesse der Stadt Baden-Baden? Hier hat man doch erst vor Kurzem damit begonnen, Baden-Baden mit dem „the good-good life“ – Motto zu bewerben. Nun verlangen Wolf und Hoogvliet, dass sich alle (also alle Kurorte und alle Landeswerbeträger) an einen Tisch setzen und gemeinsam nach Lösungen für das Thema Tourismuswerbung suchen, und zwar unter dem Oberbefehl des Landes Baden-Württemberg. Sonst, so ist aus dem neuen Vertragsentwurf für die BKV herauszulesen, … sonst gibt es nach fünf Jahren kein Geld mehr vom Land. Und das neue Landesziel für Tourismuswerbung heißt: „nachhaltiger Tourismus“, was immer das bedeuten mag.

Es ist an der Zeit, dass Baden-Baden sich auf seine Alleinstellungsmerkmale besinnt. Diese traf der alte Slogan „…Ihr Niveau“ schon besser als der Jubelspruch „…the good-good life“. Jedenfalls hat der nichts mit Nachhaltigkeit des Tourismus zu tun. Andererseits ist unsere Stadt auf die Subventionen aus Stuttgart angewiesen, was dafür sprechen würde, nach der Stuttgarter Nachhaltigkeitspfeife zu tanzen. Die Wählergemeinschaft Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) hat immer wieder betont, dass wir mit unseren kulturellen Einrichtungen, mit Festspielhaus und Museen, mit unseren einmaligen historischen Gebäuden, zu denen auch das vernachlässigte Neue Schloss gehört, werben müssen und last, but not least, mit unseren besonderen kurörtlichen Einrichtungen und der Spielbank (was ist übrigens an einer Spielbank nachhaltig?). Ob die FBB einem völlig unklaren Konzept für „nachhaltigen“ Tourismus in Baden-Baden zustimmen könnte, steht dahin. Bisher weiß niemand, was das konkret bedeuten könnte. Es muss noch viel diskutiert und abgestimmt werden. Aber eines scheint jetzt schon klar, den Slogan Baden-Baden the good-good life – den können wir wohl vergessen, wenn wir das Geld aus Stuttgart weiter erhalten wollen.