Dornröschenschlaf fürs Neue Schloss?

Seit 15 Jahren steht das Neue Schloss im Eigentum der Familie Al-Hassawi. Es sollte zu einem Luxushotel umgebaut werden, aber dazu fehlte das Kapital. Wie geht es weiter? Das Neue Schloss darf nicht in Vergessenheit geraten.

Bild: pixabay/Ben Becher

Nichts tut sich rund um das Neue Schloss. Der Park wuchert vor sich hin, Tore und Fenster verrammelt, und die Frage bleibt: wie lange soll das noch so weiter gehen? Für viele Bürger in Baden-Baden ist ihr Schloss da oben über der Altstadt wie eine offene Wunde: „Was wird aus unserem Neuen Schloss?“ Darauf gibt es nach wie vor keine Antwort. Der Hotelbau, den die Eigentümer planten, scheint nicht finanzierbar zu sein (das haben alle Fachleute von Anfang, also schon vor dem Verkauf, an so gesehen). Keine Bank hat bisher einen Kredit angeboten, weil das Hotelprojekt sich nicht rechnet. Und das Denkmalamt bleibt ebenfalls stur bei seinen Vorgaben, was richtig und wichtig ist, um die historische Restsubstanz im Schloss zu schützen. Denn das Neue Schloss ist ein wichtiges historisches Denkmal der badischen Geschichte, jedermann in Baden-Baden weiß das. Von hier aus regierten die Markgrafen über Jahrhunderte ihr kleines badisches Land. Es ist ein Versagen vor unserer Geschichte, dass man in Stuttgart nicht begreift, dass dieses Schloss vor der Geschichte auch des Landes Baden-Württemberg genauso wichtig ist wie das Stuttgarter Stadtschloss für Württemberg. Es sind also nicht nur ein paar Baden-Badener Bürger, die sich um ihr Neues Schloss sorgen, auch die Landespolitiker sollte die Frage umtreiben, was aus jenem Schloss wird, das bis heute namensgebend für das Land Baden-Württemberg ist. Verfall und Vergessen, oder Suche nach einer sinnvollen Funktion, die zukunftsfähig ist?
Die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) hat mehrfach Anträge im Gemeinderat eingebracht, um das Neue Schloss und seinen Schlosspark als offene Kulturdenkmäler für die Öffentlichkeit zu retten. Es bringt Baden-Baden doch nichts, wenn das Gebäude verschlossen und ungenutzt bleibt, wenn es zwar irgendwie noch existiert, aber keinerlei Öffentlichkeit mehr Zutritt hat. Das Schloss muss zugängig sein: es atmet Geschichte und diese Geschichte sollte begehbar, zu besichtigen sein. Seit 2003 steht das Neue Schloss im Eigentum der Familie Al-Hassawi, doch die Erbin und jetzige Eigentümerin (oder ihre Briefkastenfirmen) unternehmen nichts mit dem Neuen Schloss. Ihre Hotelpläne sind ganz offensichtlich gescheitert. Was blieb ist: ein verrammeltes Gebäude und ein verwildernder Park. Diese Untätigkeit, dieses jahrelange Zuwarten ist zermürbend für Baden-Baden. 15 lange Jahre Untätigkeit! 15 Jahre: so lange sind keine Schulkinder mehr im Neuen Schloss gewesen, eine ganze Generation in Baden-Baden wächst heran, für die das Neue Schloss bestenfalls eine Kulisse oberhalb der Stadt gewesen ist, eine tote Kulisse.
Die FBB hat immer versprochen, sich um das Neue Schloss zu kümmern. Das tun wir auch weiterhin. Von Anfang an haben wir die (unfinanzierbaren und unsinnigen) Luxushotelpläne bekämpft. Von Anfang an haben wir darauf gedrängt, dass der ursprünglich wunderbare Schlosspark erhalten und gepflegt bleibt und nicht verwildert. Und von Anfang an haben wir darauf hingewiesen, dass unter dem Schloss die historisch genutzten Thermalquellen der Bäderstadt Baden-Baden liegen. Genau hier sollten für das Bauprojekt Tiefgaragen in den Fels gesprengt werden. Seit einigen Jahren bemüht sich unsere Stadt als Weltkulturerbe anerkannt zu werden. Wie soll man uns eigentlich noch ernst nehmen, wenn wir nicht mal in der Lage sind, unser wichtigstes Kulturdenkmal, das Neue Schloss, vor Verfall und Dämmerschlaf zu schützen? Die FBB hat mehrfach angeboten, an einem Runden Tisch mit allen denkbaren Parteien nach Lösungen zu suchen. An einem solchen Runden Tisch kann jedem vielleicht eine Lösung einfallen. Jeder politisch Verantwortliche, der über eine vernünftige, realisierbare Nutzung des Neuen Schlosses nachdenkt, sollte mitmachen. Aber das Angebot wurde nicht angenommen. Der momentanen Schlossherrin fällt zu dem Thema offensichtlich auch nichts ein. Und bloßes Warten hilft uns auch nicht weiter. Baden-Baden und seine Verantwortlichen müssen endlich aktiv werden und sich zu ihrem Neuen Schloss bekennen. Es gibt mit Sicherheit Lösungen, man muss sie nur suchen wollen! Unsere Stadtverwaltung sitzt das Problem aus. Doch dieses Zuwarten und Aussitzen hat in den vergangenen 15 Jahren nichts gebracht. Sollen wir deshalb weiter warten und unsere Enkel um ihre badisches Geschichte betrügen?
Die FBB will Lösungen für das Neue Schloss, hier und jetzt, endlich!