Über die Beschwernisse einer Oberbürgermeisterin, Heuchler und die Frage, wie man Touristen anlockt.

Ein einsamer Spaziergänger, der durch einen trockenen Kanal geht.
Bild: Copyright Thomas Arnold

Bitterlich beschwert sich die Oberbürgermeisterin Mergen, als sie auf die Einnahmeausfälle des Baden-Badener Einzelhandels am vergangenen Samstag angesprochen wird. Zwar sei es an diesem Tag in der Innenstadt sehr ruhig gewesen, gibt sie zu, schiebt die Schuld dafür aber auf das schlechte Wetter und die negative Berichterstattung in der Presse über Straßen- und Parkhaussperren.

Nur ja nicht zugeben, dass die ganze Misere mit den Einnahmeverlusten, den extremen Kosten und allen anderen Unannehmlichkeiten einzig und allein der G20-Veranstaltung zuzuschreiben ist. Es gibt doch sicher einen medizinischen Ausdruck für Realitätsverweigerung?

Zwar beschwert sich die OB über die Berichterstattung im BT, was sie aber nicht daran hindert, sich mit einer Großanzeige in der gleichen Zeitung persönlich (auf Kosten der Steuerzahler) bei den Helfern der G20-Veranstaltung zu bedanken. Meint sie damit auch diese Rüpel, die lt. einem Leserbrief noch am Montagmittag Fußgänger am Überqueren der Schillerbrücke hinderten?

Zu den enormen Sicherheitsaufwendungen, die zum Schutz dieser Veranstaltung betrieben wurden, äußert sich ein Gast aus Malta, der sich derzeit in der Grundig-Klinik zum Check-up aufhält, dahingehend, dass beim Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs auf Malta nicht annähernd so ein Sicherheitsaufwand betrieben wurde. Dort konnten Einheimische und Gäste sogar das Tagungshotel ungehindert betreten. Und die Forderung der EU nach Postierung von Scharfschützen auf und in den umliegenden Häusern wurde von der Maltesischen Regierung als unzumutbare Belästigung der Anwohner zurückgewiesen. Und dass Bundeskanzlerin Merkel zusammen mit der dortigen deutschen Konsulin eines frühen Morgens in einer Hafenkneipe ohne besondere Bewachung ein Frühstück einnahm, ist überliefert und wird vom Kneipenbesitzer noch heute stolz beworben.

„Raser verursacht schweren Unfall“, an derartige Schlagzeilen hat man sich mittlerweile gewöhnt. Ungewöhnlich ist in diesem Fall jedoch, dass sich der Unfall nicht alkoholisiert um Mitternacht ereignete, sondern am helllichten Tag in der Baden-Badener Innenstadt am Augustaplatz. Wieder einmal mehr belegt dieser Vorfall, dass sich die Stadt mit ihren hunderten Tempo-30-Schildern eigentlich nur lächerlich macht, weil sich mangels Überwachung ohnehin niemand daran hält. Gerade in der Lichtentaler Straße ist zu beobachten, dass ab Berholdsplatz stadteinwärts generell mit 50 – 60 km/h gefahren wird und ab dem Tempo-30-Schild nur wenige Fahrzeuge die Geschwindigkeit reduzieren, die meisten aber volle Pulle durchrauschen bis zum Augustaplatz, was durch den bezeichneten Unfall ja wohl eindeutig bewiesen ist. Die Wucht des Aufpralls lässt auf eine Geschwindigkeit jenseits von 50 km/h schließen und es ist nur der Prallzone bei dem einen und der Stahlkonstruktion bei dem anderen Fahrzeug zu verdanken, dass es keine Schwerverletzten gegeben hat.

Bei dem Unfall mit schwerem Personenschaden in der Stephanienstraße kann man ebenfalls davon ausgehen, dass die vorgeschriebene Geschwindigkeitsgrenze von 30km/h nicht eingehalten wurde.

Frage: warum wird zwar die fast unfallfreie B500 auf Geschwindigkeitsübertretungen hin überwacht, aber nicht die Unfallschwerpunkte in der Innenstadt?

Eindeutig dem Stamm der Pharisäer (Heuchler) muss man die Stadtwerke von Baden-Baden zuordnen mit ihrer heuchlerischen Aktion der symbolischen Lichtabschaltung zur Unterstützung von Klima- und Umweltschutz der WWF-Aktion „Earth Hour“. Genau die Stadtwerke sind es doch, die mit ihren alten, lärmenden und stinkenden Bussen zu einem großen Teil die in Baden-Baden herrschende Luftverschmutzung mit verursachen, ohne dass auch nur die geringste Absicht erkennbar wäre, die viele Jahre alte Bus-Flotte umweltgerecht zu modernisieren.

Mehr Tages-Touristen will Oberbürgermeisterin Mergen nach Baden-Baden locken und sieht sich damit im großem Widerspruch zur Devise der früheren Tourismus-Chefin Goertz-Meissner die dem Hochpreis-Tourismus den Vorzug gegeben hat, der auch von ihrer Nachfolgerin favorisiert wird. Es bleibt den Bürgern, Hoteliers und Geschäftsinhabern überlassen zu beurteilen welcher Strategie sie für ihren Bereich den Vorzug geben.

Wenn aber mehr Tagestouristen in die Stadt gelockt werden sollen, dann wäre es auch dringend erforderlich für mehr Sauberkeit in der Stadt und insbesondere in den Kuranlagen zu sorgen. Speziell an Wochenenden quellen die Abfalleimer über und Tüten, Schachteln und Dosen verstreuen sich über die Spazierwege. Wahrlich kein erbaulicher Anblick, der nur dem Umstand geschuldet ist, dass am Wochenende zu wenig, bzw. gar kein städtisches Reinigungspersonal eingesetzt wird. Der OB wäre dringend zu raten sich zunächst über die Konsequenzen ihrer tollen Ideen zu informieren, bevor sie irgendwelche Sprechblasen in die Welt setzt.

Die Anzahl alkoholisierter Penner in unserer schönen Stadt wächst scheinbar ständig. Wie einer Umfrage des BT zu entnehmen ist, stimmten zwar 80 % der Befragten gegen, aber immerhin 20 % der Befragten für Alkoholgenuss auf öffentlichen Plätzen. Bei den 20 % kann es sich ja wohl nur um die bezeichnete Personengruppe gehandelt haben. Oder?