Was ist noch drin im Neuen Schloss?

Halten die Mauern und verwildert der Schlosspark weiter?

Bild: pixabay/Ben Becher

Gibt es die prachtvollen Repräsentations-Säle noch? Die Bilder, die zusammen die Ahnengalerie der Markgrafen abbildeten? Wo sind sie? Ausgelagert, und wenn, wo sind sie ausgelagert und sind sie da sicher?

Wo sind die Wandverkleidungen? Sind die Intarsien unbeschädigt? Wie sehen die Säle heute aus? Oder ist die badische Geschichte aus dem Neuen Schloss ins Nirgendwo entsorgt? Kümmert das die Stadtverwaltung oder lässt sie die Dinge laufen wie es der Schlossherrin beliebt?

Denkmalschutz heißt doch verkürzt: die Denkmäler, die Erinnerungen an unsere Geschichte müssen behütet, geschützt werden vor Eigentümerwillkür. Das ist Sache des Denkmalschutzes, und dieser ist Teil der Baden-Badener Stadtverwaltung. Normalerweise muss man da nicht nachfragen, der Denkmalschutz tummelt sich und kümmert sich um die Baudenkmäler in unserer Stadt. Aber nun wird offensichtlich, dass die Schlossherrin Frau Al Hassawi es vielleicht nicht so gerne sieht, wenn die Öffentlichkeit sich Sorgen um ihr Neues Schloss macht. Sie lässt niemand rein, heißt es. Dabei hat der Denkmalschutz doch offensichtlich das Recht, über den Erhalt aller Denkmäler zu wachen.

Fest steht: die Inneneinrichtung des Neuen Schlosses steht unter dem speziellen Denkmalschutz. Ob der faktisch noch besteht ist unklar. Also muss man nachschauen und prüfen. Das bezieht sich auch auf den Schlosspark, der ebenfalls unter speziellem Denkmalschutz gestellt wurde. Soweit man reinschauen kann: nichts als Verwilderung. So kann man auch Denkmalschutz unterlaufen. Und die Stützmauern des Schlosses? Wer vom Marktplatz hoch schaut, der kann schon mal ins Grübeln angesichts des Gebröckels kommen. Das alles geht uns etwas an.

Deswegen hat die Wählergemeinschaft der Freien Bürger für Baden-Baden, FBB, den Antrag gestellt, dass die zuständigen Behörden von Baden-Baden hier ihrer Pflicht nachkommen – denn es geht um unser Neues Schloss: von hier aus wurde 200 Jahre lang das Land Baden regiert. Das wollen wir erhalten, als Teil unserer Geschichte und als wichtigstes Baudenkmal Baden-Badens. Und zwar sowohl äußerlich auch als innen.

Der Antrag auf Objektbegehung vom 07.10.17 im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Mergen,

wie in einer der letzten Sitzungen berichtet wurde, fand im Jahre 2013 seitens der Stadtverwaltung die letzte Begehung im Neuen Schloss statt. Auch Sie, Frau Oberbürgermeisterin sowie der 1. Bürgermeister Alexander Uhlig waren persönlich noch nicht im historischen Neuen Schloss. Die Besitzerin empfängt Gäste in der Regel nur im Kavaliershaus im Schlossinnenhof.

Niemand kann aktuell sagen, wie es im Schloss ausschaut. Warum geht man mit einem so wichtigen historischen Gebäude so nachlässig um? Deshalb beantragt die Fraktion der FBB:

  1. Eine sehr zeitnahe Kontrollbegehung durch den zuständigen Bürgermeister, damit der aktuelle Status Quo im Neuen Schloss eingeschätzt wird.
  2. Die Prüfung der Standfestigkeit der Mauer um den Schlosspark und die Aufforderung an die Besitzerin, die sofortige Renovierung der eingestürzten Mauern mit Fristsetzung vorzunehmen.
  3. Die Prüfung der Hangmauer Richtung Marktplatz und Bäderviertel auf Standfestigkeit. Der Renovierungs- und Sanierungsstau ist offensichtlich.

Nicht entsorgte und große Müllberge im Innenhof lassen keinen respektvollen Umgang mit dem für die badische Geschichte so wichtigen Denkmal vermuten. Die desaströse Verrottung des

Schlossparks sowie die an vielen Stellen verfallenen Außenmauern lassen – in Bezug zum Innenleben des Schlosses – schlimme Zustände befürchten. Es sei denn, man macht sich ein Bild über den aktuellen Zustand im und ums Neue Schloss. Darum bitten wir dringend.

Mit freundlichen Grüßen

Freie Bürger für Baden-Baden e.V.

Martin Ernst, Stadtrat