Aumattstraße im Millionen- und Höhenrausch

Die missverständliche Einstufung als Gewerbegebiet bescherte den Anwohnern der Aumattstraße in Oosscheuern eine gigantische Planung, die ihr Viertel zerstören würde. Die Planung muss korrigiert werden.

Foto: Ben Becher

Ein städtebaulicher Wettbewerb überraschte die Bewohner von Oosscheuern mit gigantischen Verwaltungstürmen (5-7 Stockwerke!) und einem vorhersehbarem Verkehrskollaps. Wie konnte eine Planung so ausufern? Und wie kann man den Frieden der Anwohner wieder herstellen? Es war der Verein Stadtbild unter seinem rührigen Vorsitzenden Wolfgang Niedermeyer, dem eine merkwürdige Weichenstellung in der Stadtplanung zur Aumattstraße auffiel und damit auch eine Lösung des Problems: bereits vor einem Jahr gab es einen Aufstellungsbeschluss, in dem von einem „Gewerbegebiet“ die Rede war. Mit diesem Aufstellungsbeschluss wurde dann ein städtebaulicher Wettbewerb beschlossen, um das Gebiet architektonisch zu überplanen, was grundsätzlich auch vernünftig ist. Alles Weitere ist bekannt: seitdem der Siegerentwurf diskutiert wird, gehen die Anwohner von Aumatt- und Jagdhausstraße auf die Barrikaden: ihr Viertel ist in Gefahr, sagen sie, sie sollen von riesigen Verwaltungsbauten eingekreist werden. Direkt an der Oos entsteht ein reines Gewerbegebiet. Davon abgesehen: es würde zu einem Verkehrskollaps bei der Einmündung der Jagdhausstraße in die B 500 kommen – die dortige Ampel ließe sowieso immer nur wenige Autos durch, wie sollten dann (geplante und befürchtete) hunderte neue Arbeitsplätze bedient werden.

Die Lösung des Problems liegt bei dem Begriffspaar Mischgebiet – Gewerbegebiet. Das soll am Beispiel eines Baugrundstücks von 1000 m² erläutert werden. Nach Baurecht darf der Bauherr auf einem 1000 m² großen Grundstück in einem Mischgebiet ein Haus mit einer Nutzfläche bis zu 1,200 m² bauen. Handelt es sich aber um ein reines Gewerbegebiet, dann geht gleich doppelt so viel, nämlich 2.400 m². So kommt es in dem Plan für die Aumattstraße auch zu den unvernünftig hohen Gewerbetürmen, die völlig unverhältnismäßig für die Aumattstraße sind. Es geht ja um ein Gewerbegebiet, in dem keine Wohnungen mehr vorgesehen sind. Dagegen wehren sich die Anwohner, und der Widerstand gegen die geplanten Turm-Lösungen scheint mehr als verständlich.

Die Wählervereinigung Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) ist gegen ein reines Gewerbegebiet in der Aumattstraße, es würde die Proportionen der dortigen Bebauung sprengen. Die FBB meint, dass die Anwohner Recht haben mit ihrem Protest und dass die gigantomanische Planung eines reinen Gewerbegebietes an der Aumattstraße ein Missverständnis ist, das so gar nicht beabsichtigt war. Der Beschluss aus dem Jahr 2017 muss aufgehoben werden.

Hier der Antrag der FBB im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Uhlig,

hiermit beantragt die Wählervereinigung ‚Freie Bürger für Baden-Baden e.V.‘ (FBB) den Aufstellungsbeschluss für den „Dienstleistungsbereich Aumattstraße“ im Mischgebiet Oosscheuern wieder aufzuheben und mit der Einstufung als Mischgebiet neu zu fassen.

Begründung: Im Flächennutzungsplan 2025 ist das Gebiet Oosscheuern als Mischgebiet ausgewiesen. Bei der Entwicklung eines Gewerbegebiets ist Wohnen ausgeschlossen, lediglich für Hausmeister und Betriebsinhaber ist in einem solchen Gebiet Wohnen möglich. Es kann nicht im Interesse der Stadt und der Bürger dieses Viertels sein, ein neues Stadtviertel inmitten der Stadt entstehen zu lassen, das sich ab 17 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen zu einem menschenleeren Geisterviertel entwickelt. Gerade bei dem kürzlich erfolgten Bauantrag für Arvato Infoscore zeigte sich doch überdeutlich, dass auch in einem Mischgebiet ein Dienstleistungszentrum entwickelt werden kann – aber bitte nicht ausschließlich.

Wir begrüßen die Fortentwicklung eines Viertels grundsätzlich. Voraussetzung für jede Veränderung ist allerdings, dass diese mit den Bürgern und nicht gegen die Bürger geschieht. Zwingend für jede Fortentwicklung und auch für unsere Zustimmung ist es, dass das momentan behinderte Ausfahren aus dem Viertel wesentlich verbessert wird. Zu prüfen ist von unserer Seite aus, ob nicht eine Einfädelungsspur stadteinwärts geschaffen wird und der Verkehr Richtung Autobahn evtl. über die Ampelanlage bei der Eisenbahnstraße geführt werden kann.

Mit freundlichen Grüßen

Freie Bürger für Baden-Baden e.V.“