Altersheim in der Hubertusstraße?

Das fürsorgliche Rote Kreuz und die ihm anvertrauten alten Leute

Bild: Ben Becher

In geheimer Sitzung haben sich die Mitglieder des Bauausschusses neulich mit dem geplanten Altersheim in der Hubertusstraße beschäftigt: es soll als Ersatz für das Ludwig-Wilhelm-Stift gebaut werden (das wiederum zu Luxuswohnungen umgebaut werden soll). Dabei bleiben viele Fragen offen: Altersheime aus dem Zentrum raus und an die Peripherie – ist das richtig? Und ist der Standort Hubertusstraße mit Sicht auf den 1000-Füßler eigentlich gesundheitlich für alte Menschen tragbar? Während der Geschäftsführer des Roten Kreuzes das Gelände an der Hubertusstraße für „ideal geeignet“ hält, denn das Gelände sei „topfeben“, haben Gemeinderäte nicht nur von den Freien Bürgern für Baden-Baden (FBB) durchaus gesundheitliche Bedenken: es ist dort laut, es ist feinstaubbelastet und es ist weit entfernt von der Altstadt Baden-Badens, wo die Alten bisher gepflegt wurden. Das DRK verweist auf den geplanten Wörthböschelpark, aber bis man dahin kommt, muss man unter dem Zubringer unten durch laufen. „Topfeben“ sei das Gelände, meint das DRK, aber das Gelände um das alte Wohnheim neben der Seufzerallee hätte man vergleichbar zugängig machen können, wenn man denn gewollt hätte. Wie überhaupt es nicht einsehbar ist, dass das alte Heim aufgegeben werden soll: man hätte es baulich ergänzen können (was nun sowieso durch die Luxuswohnbebauung geschieht) und es dadurch zukunftsfähig machen können. Nur eben: man wollte nicht.

Für das Rote Kreuz ist das Ganze ein Bombengeschäft. Und zwar auf Kosten seiner Bewohner. Und die Stadt macht mit. Sie verscheucht zunehmend ihre alten Bewohner an den Stadtrand mitten hinein in den Dreck und Radau des Zubringers. Und was sagt das Rote Kreuz dazu? Man hält es kaum für möglich, so zynisch klingt es: Der Schallschutz in dem Neubau an dem Zubringer sei „kein Problem“. Erstens gäbe es künstliche Belüftung (sind die Fenster nicht mehr zu öffnen?) und zweitens seien die Bewohner immun gegen Verkehrsradau, weil: moderne Hörgeräte filterten diesen aus den Geräuschen heraus (haben alle ein Hörgerät?). Und was meint man zur bisherigen Lage des Ludwig-Wilhelm-Stiftes in der Innenstadt? Dies habe für die Bewohner wenig Vorteile gebracht, so das Rote Kreuz. „Aus eigener Kraft schafft es ohnehin keiner der Bewohner dorthin.“ Wer über diese Argumentation des verantwortlichen Mannes des DRK Baden-Baden nachdenkt, kann sich eigentlich nur noch vor der Fürsorglichkeit dieses Roten Kreuzes fürchten.

Wie ist das nun konkret mit der Luft am neuen Standort Hubertusstraße? Dazu gibt es sogar in den städtischen Unterlagen ein „Gutachten“. Aber dieses Gutachten, so Stadtrat Prof. Dr. med. Heinrich Liesen von den Freien Bürgern für Baden-Baden (FBB), beruht auf lauter Schätzungen und alten irgendwann einmal erhobener Messungen. Es scheint abgeschrieben zu sein aus dem Gutachten zum Bebauungsplan Wörtstraße. Das Gutachten habe keinen Wert für die Risikoeinschätzung für die Gesundheit der älteren Menschen, die dort leben sollen. Es sei ein Alibigutachten nach dem Muster, wir haben ja alles gemacht, alles abklären lassen. Und da keine neuen Erkenntnisse in diesem Gutachten enthalten seien, sei es gleichzeitig eine sinnlose Geldverschwendung, anstatt die Gelegenheit zu nutzen, endlich für dieses Gebiet mal aussagekräftige Daten zu erheben.

In Wirklichkeit geht es wie so oft in Baden-Baden um das liebe Geld und die Chancen, es zu vermehren. Um viel Geld, wie fast bei allen Dingen in Bausachen, leider auch beim Roten Kreuz. Der Geschäftsführer des DRK: „Den Verkaufserlös vom alten Gebäude brauchen wir auch als Finanzierungsgrundlage für den Neubau.“ Dort, wo heute noch alte Baden-Badener Bürger ihren Lebensabend im Ludwig-Wilhelm-Stift neben der Seufzerallee verbringen, sollen bekanntlich in Kürze Luxuswohnungen entstehen – mit anderen Worten: die Alten waren bloß einer Bauspekulation im Weg und müssen in die Hubuertusstraße direkt an den 1000-füßer weichen. Schöne Aussichten für den Lebensabend alter Menschen in Baden-Baden: the good-good life . . .