Pussy-Pussy in town

von Uschi Beer

Foto: Uschi Beer

Baden-Baden, Ihr Niveau, ich bleibe dabei, für uns ist dieser Slogan Stil- und Richtungsweisend. Bin ich deshalb schon von gestern? In der neu-modernen und schnelllebigen pussy-pussy und Bussi-Bussi Welt sind wir schnell von gestern, zugegeben. Doch lautet die grundsätzliche Frage: gibt man Stil und Richtung vor, oder folgt man dem Mainstream und den Influencern? Per se ist Baden-Baden ein Juwel und spricht für sich selbst. Es ist da mit all seinen Schönheiten und wunderbaren Angeboten. Fast unzerstörbar, egal wer welches Image der Stadt überzustülpen versucht. Wie eine launische Diva und Königin, die all die Irrungen und Wirrungen ihres Hofstaates übersteht. Mal mit Blessuren, mal mit Tiefschlägen, doch die Diva ist da und überdauert uns Höflinge, egal welche Eskapaden wir Ihr auch antun. Es ist alles im Fluss, eine Frage der Zeit, und Baden-Baden ist immer nur phasenweise abhängig von dem, was Menschen unserer Stadt antun – im Guten wie im Schlechten. Dazu ein Beispie:
Schlecht ist es alte Villen abzureißen und Neubauklötze an ihrer Stelle zu errichten. Das ist richtig fies und wurde von schändlichen Höflingen (= OB und BM Hirt Phase) sehenden Auges erlaubt. Gut ist, alte Villen zu renovieren und zu erhalten (= Dank an all die neuen Besitzer wie Schloss Seelach & Co). Sie sind sehenden Auges und haben Schönes erkannt und bewahrt.
Tradition mit Klasse und Stil leben und bewahren kann doch nur, wer dies selbst verinnerlicht hat. Wer cosmopolitisch geprägt ist, genügend gesehen und erlebt hat. So ergeben sich die Geschenke ans Königreich der Diva wie das Burda Museum,      Festspielhaus u.a. Allesamt Cosmopoliten mit Weitblick. Und jetzt kommt’s dicke: cosmopolitischen Weitblick spreche ich vielen Höflingen im Königsreich ab (= Verwaltung & Gemeinderat). Es gibt viel provinzielle Spießigkeit sowie Blindheit für die visuellen Werte in Baden-Baden. Zu wenig Respekt vor der Diva, ihrer Tradition und Werte. So komme ich zum neuen pussy-pussy, good-good life, das neue Lockmittel für vermeintlich neue Zielgruppen. Der Witz an der Sache: diese Zielgruppen kommen, gerade weil wir eine Diva mit Stil und Niveau haben. For real good-good life kann man nach London, New York, Ibiza oder sonstwo hinreisen. Good war life in Baden-Baden schon immer. Wir müssen uns solch ein Image nicht ausdenken, wir haben und sind es doch schon. Der good-good Slogan ist für mich so schräg, weil er ohne Visualisierung in eine zwielichtige Bedeutung rutscht. Die Bildchen zum Slogan gefallen mir persönlich auch nicht. Denke ich jetzt wieder ältlich? Die good-good Phase ist sicher mit vielen kreativen Stunden erdacht worden, okay, wurde den Bürgern aber übergestülpt, ob es uns passt oder nicht, und kostet zigtausende Euros, weil: wir haben’s ja! Unser neues Image hängt sogleich auch an den Bushaltestellen, damit wir uns schön an unser good life erinnern. Baden-Baden – feel the good life. Sir Simon Rattle wird’s fühlen und vielleicht die neuen Plakate mit einem Augenzwinkern bemerken, oder sie gar nicht wahrnehmen. Es ist Frühling, die Krokusse blühen, die Sonne scheint -I feel the good life in Baden-Baden und freue mich auf die Osterfestspiele.