Es ist Frühsommer…und keiner merkt’s?

von Uschi Beer

Bild: U.Beer

Traumhaft schöne und aufblühende Natur empfängt mich in Baden-Baden, die Sonne scheint, es ist warm, und herrliche Stimmung liegt in der Luft. Alles ist perfekt, um auch hier perfekt fröhliche Laune zu haben. Diese hatte ich über Ostern in Portugal an der Algarve. Allseits entspannte Menschen, höfliche Autofahrer und charmantes Personal in den Restaurants. Zwei Wochen Abstinenz von der griesgrämigen Masse unzufriedener Menschen in Deutschland und dem allmächtigen Verkehrschaos in den Ballungszentren. Vielleicht war der Winter zu lang und zäh, sodass man nur deprimiert werden konnte? Wieso sind dann trotz eines langen dunklen Winters laut Forschungsergebnissen die Nordländer die glücklichsten Menschen? An der Sonne scheint es also nicht zu liegen.
Es ist wohl die Grundhaltung, die der Mensch für sich entscheidet. Ist das Glas halb voll oder halb leer? Spreche und denke ich mit negativer oder mit positiver Energie? Oder bleibe ich wenigstens neutral, ohne gleich alles zu bewerten und zu verurteilen. Bin ich fähig mit liebevoller Achtsamkeit den Alltag zu meistern, und bin ich liebevoll zu meinen Mitmenschen? Nächstenliebe, gibt’s die noch? Klar, wer so ist und fühlt, schwingt sofort auf einer Ebene mit Gleichgesinnten. Doch die Masse ist so nicht.
Ich also zurück im deutschen Alltag, und sofort ist eine echte Herausforderung zu meistern, wie bleibe ich in meiner positiven Achtsamkeit? Autofahren ähnelt kriegerischen Zuständen, aggressiv wird die Lücke zum einfädeln verteidigt, blind wird die Spur nach links gewechselt, völlig egal, dass man wie irre runterbremsen muss, weil Blödi mit 80-100 den Laster unbedingt überholen will. Lauter Verrückte unterwegs, schüttle ich den Kopf an einem Unfall vorbei rollend. Kaum einer bedankt sich, wenn man ihn rein- oder vorfahren lässt. Ego vor Gemeinschaft, das ist deutscher Straßenalltag, würg!
Geschafft, Baden-Baden von Düsseldorf aus erreicht, das Paradies öffnet sich.
Ich stelle fest: auch hier noch zu wenig Fröhlichkeit und zu wenig lachende Augen. Derweil grüße ich viel und staune über die erhellenden Blicke, als würde man den Mensch aus seinem Kokon erwecken. Hey, es ist Frühsommer, möge die Sonne die Herzen auftauen und allseits Freude und Lächeln erzeugen.