383 Luxuswohnungen beim SWR geplant

Der soziale Wohnungsbau in Baden-Baden bleibt wie so oft auf der Strecke, obwohl der Bedarf an gefördertem Wohnungsbau enorm ist. Die Folge: einkommensschwache Schichten werden weiterhin aus der Innenstadt verdrängt.

Detailentwurf zu "Wohnen im Tannenhof", Architekt: KUEHN MALVEZZI

Die Baupolitik in Baden-Baden hat kein Herz für Kinder. Für Familien mit Kindern wird nichts auf dem ehemaligen SWR-Gelände geplant. Dafür dürfen vermögende Singles, kinderlose Ehepaare, alte Leute mit zu viel Vermögen auf ein reiches Angebot hoffen. Und das, obwohl fast 1000 Sozialwohnungen in Baden-Baden fehlen. Auch wenn das Bild oben etwas Gegenteiliges zu erzählen scheint: Kinder sind, so hört man, in dem neuen Baugebiet beim Tannenhof schon mal nicht eingeplant, dort sind die Kinderlosen unter sich und werden voraussichtlich nicht durch Kindergeschrei gestört. Geschützt werden am Tannenhof stattdessen Fledermäuse, aber keine kinderreichen Familien. Dabei sagen Fachleute, die den Markt für Luxuswohnungen kennen: wir brauchen keine weiteren Luxuswohnungen in Baden-Baden, der Markt sei gesättigt. Jährlich werden im Schnitt zwischen 30 und 40 Luxuswohnungen in Baden-Baden verkauft, mehr nicht. So „groß“ ist dieser Markt. Nun sollen auf einen Schlag gleich 383 derartige Wohnungen gebaut werden. Die Wohnungen „am Tannenhof“ belasten also den Markt für teure Wohnungen derart, dass manche vielleicht überhaupt nicht mehr verkäuflich sind. Das heißt: vielleicht ist das, was gestern im Bauausschuss und dann im Gemeinderat beraten wurde, auch noch aus der Zeit gefallen. Schmerzlicher: eine Chance, den riesigen Bedarf an sozial gefördertem Wohnungsbau ein wenig zu reduzieren, ist mit dem weiteren Luxusbau am Tannenhof damit vertan.

Was fehlt? Aktuell fehlen ca. 1000 Wohnungen für normal verdienende Bürger in Baden-Baden, nämlich kinderreiche Familien und Alleinerziehende. Wer ist als Mieter gemeint, wenn man von „Sozialwohnungen“ spricht? Zum Beispiel kinderreiche Familien mit zwei oder mehr Kindern, oder Alleinerziehende mit Kindern und Rentner mit einem Einkommen unter 2.000 Euro. Es geht dabei nicht um extrem „arme Familien“, es geht um Familien mit drei oder mehr Kindern und einem arbeitenden Elternteil. Die Wählergemeinschaft Freie Bürger für Baden-Baden (FBB) hat immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass wir unseren knappen Baugrund nicht ausschließlich für Luxuswohnungsbau verplanen dürfen, für Menschen, die oft gar nicht in Baden-Baden wohnen wollen und hier lediglich überflüssiges Kapital anlegen (was prinzipiell ja nicht schlimm ist!). Denn wir haben viel zu wenig Baugrund in der Innenstadt, und drängen mit dem wenigen Wohnungsbau für sozial schwächere Bevölkerungskreise diese Menschen aus Baden-Baden heraus. Gemeint sind kinderreiche Familien mit einem Nettoeinkommen unter 3.000 Euro, die keine bezahlbare Wohnung für sich und ihre Kinder in Baden-Baden finden können bei Mietpreisen über 1.200 Euro. Oder geschiedene Frauen mit Kindern, die durch die Scheidung in eine fast hoffnungslose Situation kommen (das sind mehr Familien in Baden-Baden, als man annehmen sollte). Wenn für sie gebaut wird von unserer Stadt, dann direkt unter dem Zubringer, wo ausgerechnet diese Kinder dann in schlechter Luft aufwachsen. Es kann doch nicht sein, dass unsere Stadt nur noch für extrem reiche Kunden planen und bauen lässt, Kunden überdies, die oft genug ihre Wohnungen später leer stehen lassen. Schon oft hat die FBB diesen Zustand heftig kritisiert und stattdessen mehr Sozialwohnungen für unsere Bürger in Baden-Baden gefordert.

Auf die Anlieger des SWR kommt übrigens einiges zu und zwar gleich jahrelang. Es wird lange, im Ganzen wohl um die 10 Jahre gebaut werden. Der Baustellenverkehr wird enorm sein, dazu muss bei dem neuen Medienzentrum des SWR direkt daneben einige Kellergeschosse tief Felsen weggesprengt werden (Sprengtermine zwei mal am Tag, so hört man), während der komplette jetzige Bestand (bis auf den Tannenhof selbst) abgebrochen werden muss. Die Baustellenfolgen für die Anwohner sind enorm, und das für neue Nachbarn, die den späteren Luxus und die herrliche Ruhe in waldnaher Umgebung suchen.

Die FBB fordert eine völlig neue, sozial orientierte Baupolitik. Wir kämpfen für bezahlbaren Wohnraum auch für sozial Schwache.