Utopia Baden-Baden

von Uschi Beer

Foto: U. Beer | Ein Projekt ohne Liebe

Ich hätte sie am liebsten in den Arm genommen, meine verzweifelte ältere Nachbarin. Sie wollte ihre Gartenhängematte bei der Mülldeponie entsorgen. Sie gehört zur Generation ohne Ipad und Internethilfe wie so viele Mitbürger. Also fährt sie los und findet den Weg nicht gleich, zumal in Oos die Verkehrsführung baubedingt Um- und Irrwege schafft. Ihre Anlaufstelle: die Touristeninformation. Wo die Mülldeponie sei, das wisse man nicht, damit hätten sie ja auch nichts zu tun. Sie ärgert sich, fühlt sich abgekanzelt, verzweifelt. Später, unterwegs fand sich ein netter Herr der vorfuhr und ihr half. Trotzdem, sie kam später mit ihrem Hündchen bei uns des Weges vorbei und war immer noch sehr aufgeregt, darüber, wie man mit ihr umgegangen sei. Okay, in der Regel sind die guten Geister der Stadt sehr hilfsbereit. Sie haben es auch sicher oft mit gruseligen Menschen der Neuzeit zu tun. So wie eine Ladenchefin auf der Langen Straße. Sie erzählte mir wie frech die heutige Kundschaft teilweise sei, auch Baden-Badener. Dienstleistung würde wenig Spaß machen, geschweige gewürdigt. Und dass Kunden gekaufte Kleidung auf Parties tragen und dann frech wieder samt Etikett zurückbringen, das ist nur Teil des Eisbergs. Doch im Untergrund brodelt es gewaltig, was Benehmen, Verantwortungsgefühl für Natur und Umwelt betreffen. Wo bleibt wenigstens ein Mindestmaß an Herzensbildung. Viele Gestresste, viele Genervte, und viel Ignoranz unterwegs. Dienstleistung kommt von dienen, der Sache, dem Menschen, der Umwelt dienen. Das allgemeine Phänomen: die westliche Dekadenz und Verrohung der Sitten. Ein Mitarbeiter der Firma zur Isolierung von neuen Heizungsrohren legte noch einen drauf. Er kenne genügend Gebäude wo Maler über Schimmel drüber pinseln, selbst im Neubau, wo Familien mit Kindern einziehen. Der Dämmwahn führe eh zu massiver Schimmelbildung. Und bei einem Einkaufsmarkt kenne er die überpinselte Schimmelwand wo heute das Regal für Obst und Gemüse steht. In einer Schule würde der komplette Heizungskeller schimmeln, die Heizung sei marode. Den Auftrag bekämen sie aber nicht, es sei kein Geld da. Ob’s sich über Schimmel sitzend gut lernen lässt? Aber Verkehrskreisel würden gebaut die keiner bräuchte. Diese Schule, liebe Leser, befindet sich aber nicht in unserer Stadt.
Ich sehe eine große Chance für Baden-Baden, wenn wir uns alle zusammenreißen, wenn wir ab sofort denken und fühlen: ja, ich liebe meine Stadt, ich liebe meine Mitmenschen, ich lebe in Achtung und Respekt für Natur und unser ziviles Miteinander.
Perfekte Sauberkeit, überall, Charme und freundliche Dienstleistung das oberste Gebot für uns alle, egal welchem Trottel und Ekel man begegnet. Hilfsbereitschaft und Danke im Auto mit Hand hoch wenn man vorgelassen wird. Viel Lächeln und Liebe im Herzen. So wappnen wir uns alle für die gute Sache und Aufgabe die uns bevorsteht. Baden-Baden ist schön und klein genug um einen krassen Wechsel zu schaffen. Es fängt bei der Verwaltung an: sie denkt, handelt und arbeitet einzig für das Wohl unserer Gemeinde und nicht um Investoren zu hofieren, wie jahrelang mit CDU Mehrheit im Gemeinderat geschehen. Wir wollen Schönheit, schöne Bauten, manchmal auch, dass ganz einfach nicht gebaut wird. Mir graut schon heute vor der SWR/Tannenhof Entwicklung. Muss das alles sein, bis dahin, dass die Immobilienblase jetzt schon zu platzen beginnt. Viele hätten gerne eine andere Optik am Leo. Bis heute fand ich nur Kopf schüttelnde Leute die aktuell alles hässlich finden, was sich am Leo zeigt. Ich sag dann immer: abwarten, es ist doch noch nicht fertig. Doch die Autobahnoptik vor Garibaldi, Einhorn&Co, ob sich da was ändert? Ein Platz aus vielen kleinen Steinen, so schön wie in vielen berühmten Städten, flanieren, Kaffee trinken, genießen. Aber nein, weil Busse drüber „müssen“ wird’s halb Autobahn halb Betonwüste. Betonköpfe wollten es so, schade. Flexibilität wäre ein weiteres Verhaltensziel. Busse? Fast alle Straßen marode, irrer Investitionsstau, alles wartet auf neu. Also warum nicht gleich die Induktionsschleifen miteinplanen und kleine Transporter rollen lassen. Natürlich kostenfreie Fahrt für Alle. Visionär und praktisch, wer will denn noch mit seinem Auto die Stadt verpesten wenn er leicht und locker ins Zentrum kommt. 150 Mio. Schulden? Wie hat die Stadt das geschafft? Ich kapiert es bis heute nicht und will schon wieder gedanklich Geld ausgeben. Doch wenn, dann für eine gute Sache. Für viele Kameras an vielen Ecken. Und hohe Strafen für Vergehen an Natur und Umwelt. Wie in Singapur, da kostet Kaugummi auf die Straße werfen richtig viel Geld. Wir müssen umdenken, umschichten, neu denken, da bin ich zu 100% sicher. Utopia Baden-Baden? Schreiben Sie uns, was es in ihren Augen braucht für ein neues Baden-Baden. Die FBB packt an, versprochen!